Während der Gesamt-Aktienindex die während dieses Jahres eingetretenen Verluste in etwa wieder ausgeglichen hat, liegen die Kurse der Brauerei-Aktien heute um etwa 10 Prozent unter denen des Jahresultimos 1973. Wenn Sie, meine verehrten Leser, die Tabelle „Wieviel Brauerei-Aktionäre verloren“ betrachten, werden Sie unschwer feststellen, daß die Kurse der meisten Brauerei-Aktien in den letzten Monaten kräftig aufgeholt haben. Zeitweise sah es für einige Brau-Aktionäre recht trostlos aus.

Das traf besonders für die Besitzer von DUB/Schultheiss-Aktien zu, über die wir uns Anfang August ausführlich unterhalten haben. Damals lag ihr Kurs bei 240, heute ist er auf ca. 310 Mark je 50-Mark-Aktie angehoben worden. Ob der Wiederanstieg des DUB/Schultheiss-Kurses nun einer gezielten Kurspflege mit dem Hintergrund, lästige Effektenabschreibungen zu vermeiden, zu verdanken ist oder ob dahinter mehr steckt, ist dem DUB/Schultheiss-Kleinaktionär zunächst einmal gleichgültig. Er kann zufrieden sein, in diesem Jahr an dem Papier kein Geld verloren zu haben. Neuerdings kursieren wiederGerüchte in den Börsensälen, wonach Großaktionär Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank bemüht sein soll, eine dritte Schachtelbeteiligung für eine englische Gesellschaft zusammenzukaufen. Die Bayern besitzen zur Zeit 35 Prozent des DUB/Schultheiss-Aktienkapitals, die Dresdner Bank mehr als 25 Prozent. Wenn man in München aus dem eigenen Paket zehn Prozent zur Verfügung stellt, dann sollte die Bildung einer dritten Schachtelbeteiligung möglich sein. In den letzten Monaten gab es bemerkenswert hohe Umsätze in DUB/Schultheiss-Aktien. Wenn Engländer bei DUB/Schultheiss Fuß fassen sollten, so folgen sie damit der englischen Watney-Mann-Gruppe, die inzwischen 75 Prozent des Aktienkapitals der Essener Stern-Brauerei übernommen hat.

Trotz ihres jüngsten Kursanstieges ist DUB/Schultheiss spekulativ eine interessante Aktie geblieben. Die Stunde der Kurswahrheit kommt wahrscheinlich im Januar. Denn dann wird sich zeigen, ob die Notiz auf festen Füßen steht. Es gibt Banken, die einen Tausch von DUB/Schultheiss-Aktien in andere Brauaktien empfehlen, bei denen die Kurserholung bislang weniger ausgeprägt war. Die Kernfrage ist allerdings: Muß der Anleger überhaupt in Brauereien engagiert bleiben ?

Der jetzt verkündete Dividendenausfall von DAB Dortmunder Actien-Brauerei, zur Oetker-Gruppe gehörend, hat Zweifel aufkommen lassen. Tatsächlich ist die Brauwirtschaft eine Schrumpfbranche: Der Absatz stagniert, und es besteht eine Überkapazität von etwa 15 Prozent, nach Schätzung von Dr. Guido Sandler, Oetker-Generalbevollmächtigter. Solange diese Überkapazitäten nicht vom Markt verschwunden sind, werden die Versuche, die Bierpreise den steigenden Kosten anzupassen, nicht sonderlich erfolgreich sein können. Oftmals stehen die angekündigten Bierpreiserhöhungen nur auf dem Papier. Die marktstarken Handelsketten verkaufen nicht nur preisgünstige „Handelsmarken“, sondern bieten manchmal auch Markenbiere zu Billigpreisen an und verhindern damit eine generelle Anhebung des Bierpreises.

Der Preiskampf wird sich mit Sicherheit noch einige Zeit fortsetzen. Kleine und mittlere Brauereien können jahrelang ohne Neuinvestitionen auskommen, arbeiten mit abgeschriebenen Anlagen und können demzufolge ohne Liquiditätsschwierigkeiten noch durchhalten. Daß sie sich selbst aufzehren, wird in Kauf genommen. Viele Brauereibesitzer warten auf eine „Übernahme“ durch die Großen, die sich mit der Stillegung der Anlagen die Marktbereinigung erkaufen müßten. Der Wille dazu ist bei einigen Großbrauerei-Gruppen vorhanden, aber die Durchführung scheitert an den Preisvorstellungen der Alt-Brauereien, die bis zu 100 Mark je Jahreshektoliter-Ausstoß als Kaufpreis verlangen.

Doch diese Sätze gehören der Vergangenheit an. Heute werden höchstens 50 bis 70 Mark je Hektoliter geboten. Das bedeutet auch, daß in der Vergangenheit die Großen aus heutiger Sicht zu teuer gekauft haben. Sie müßten auf diese Engagements kräftig abschreiben. Aber so viel ist nicht verdient worden. Deshalb scheint man sich in einigen Fällen mit einer Kursfrisur zu helfen.

Doch das ist keine Dauerlösung. Bereits in den vergangenen Jahren haben manche Brauereien ihre Dividende ganz oder teilweise aus der Substanz finanziert. Die Kraft zur Selbstfinanzierung hat abgenommen, die Verschuldung ist gewachsen. In einigen Fällen wurde für die Ausschüttung der teilweise recht wertvolle Immobilienbesitz mobilisiert. Er hatte in den vergangenen Jahren den Brau-Aktien noch einigen Glanz verliehen. Damit ist es auch zu Ende, denn Grundbesitz hat überall an Wert eingebüßt. Es ist schwierig, Grundstücke zu guten Preisen zu veräußern.