Die DDR hat Mühe, die Kooperation mit dem Westen und die ideologische Abgrenzung miteinander in Einklang zu bringen. Dies wird aus einer Rede des SED-Chefs Honecker vor dem Zentralkomitee seiner Partei deutlich.

Nachdem die völkerrechtliche Abgrenzung von beiden Seiten anerkannt sei, so sagte Honecker nach Angaben des Neuen Deutschland vom vorigen Freitag, "ist es geradezu notwendig, festen Kurs auf die weitere Normalisierung der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik zu nehmen". Dies aber stelle "offensichtlich hohe Anforderungen an die politisch-ideologische Arbeit der Partei und der Massenorganisationen".

Der Parteivorsitzende begründete die ideologischen Probleme damit, daß die DDR ihre Grenzen "für Besucher aus dem Westen weit geöffnet habe". Von Seiten der Bundesrepublik und Westberlins werde "die bürgerliche Ideologie täglich, ja stündlich sozusagen frei Haus in die DDR geliefert". Jährlich kämen sieben bis acht Millionen Besucher "aus dem kapitalistischen Ausland". Umgekehrt reisten vom 1. Januar 1972 bis 30. November 1974 nach Honeckers Worten 5,6 Millionen DDR-Bürger in die Bundesrepublik und nach Westberlin.