Als die Berliner Mauer gebaut wurde, bezog ein Polizist Posten vor dem Reisebüro Helios, Uhlandstraße 73. Das Spezialbüro für Osteuropatouristik gehörte zum Bereich der Objekte, die als gefährdet galten. "In dieser Firma hat es nie ein politisches Engagement gegeben", sagt Geschäftsführer Dieter Brückner. Doch in den ersten Jahren wurde von Anrufern und Briefeschreibern im blinden Eifer kalter Kriegführung gelegentlich kein Unterschied zwischen Tourismus und kommunistischer Agitation gemacht. Immer wieder waren anonyme Drohbriefe in der Post, wurden Fenster eingeschlagen. Das hat jedoch weder einen Menschen von seinen Reiseplänen abgebracht noch den Erfolg des Reiseveranstalters geschmälert. Die Zuwachsrate seit dem Gründungsjahr 1957 betrug von Jahr zu Jahr zwischen 15 und 20 Prozent.

Helios Reisen rühmt sich umfänglicher Erfahrung und vorzüglicher Kontakte zu Botschaften und Missionen der Ostblockstaaten. Der Geschäftsführer hält sich selbst durch häufige Osteuropareisen auf dem laufenden, jeder der 19 Angestellten des Berliner Büros ist eine eingefuchste Fachkraft. Dieter Brückner: "Es kommt schon mal vor, daß wir mitten in der Nacht um ein Visum bitten müssen. Und das kriegen wir dann auch."

Das Unternehmen operiert in der ČSSR, Ungarn, der Sowjetunion, Polen und Bulgarien. Unter den Gruppenarrangements gibt es eine neuntägige Busreise durch die Tschechoslowakei (Pauschalpreis 948 Mark), Ferien am Plattensee im Hotel mit eigenem Strand (Linienflugreise; Doppelzimmer pro Woche 286 Mark) und eine Flugreise "Das alte Rußland" (18 Tage: Moskau, Sotschi, Leningrad, Petrosawodsk, Kiew; Pauschalpreis 1373 Mark). Der Prospekt (Auflage 25 000) enthält sehr reizvolle Angebote: Reiterferien in der Tschechoslowakei (in der Umgebung des Schlosses Konopiste) und in Ungarn (pro Person und Woche rund 200 Mark, jede Reitstunde zwölf Mark), Donaufahrten zum Schwarzen Meer, Kur in den Mineralbädern des Kaukasus.

Größter Nachfrage erfreuen sich Wochenendreisen nach Prag, Budapest und Warschau (zwischen 210 und 360 Mark) sowie Kuraufenthalte in den weltberühmten Bädern Böhmens. Helios Reisen ist westdeutscher Generalvertreter für die Heilbäder in der ČSSR. Die Kurkontingente sind gebündelte Leistungen. Beispiel Marienbad: Drei Wochen Kur einschließlich Vollpension und ärztlicher Betreuung, aller Bäder, Massagen, Anwendungen und Medikamente sowie Ergänzungstherapie und Kurtaxe gibt es bei Unterkunft im Einzelzimmer (Erste Kategorie, Hauptsaison) für wenig mehr als 1000 Mark. Brückner: "Das Preisleistungsverhältnis ist äußerst günstig."

Das Unternehmen bemüht sich derzeit um Ausdehnung seiner Aktivität auf China und Albanien. Dieter Brückner: "Wir verhandeln gerade mit der chinesischen Botschaft in Ostberlin wegen Erteilung der Visa." Helios Reisen verzeichnet auch im Problemjahr 1974 die gewohnten Zuwachsraten (exakt 18,2 Prozent). Umsatz in diesem Jahr (geschätzt): sechs Millionen. bo