ARD, Dienstag, 17. Dezember: "Eintausend Milliarden", von Dieter Meichsner

Alle Macht des Multi-Vorstandsmitglieds scheitert am, wie er’s nennt, "Problem, Höhe zu bewältigen": Das Modellsegelflugzeug, das seine Söhne und er gebaut haben, verfängt sich in einem Baumwipfel.

Der Ausgang der privaten, beiläufig angelegten und dabei Allegorisches bietenden Szene blieb so offen wie das Ende dieses ansonsten in und zwischen Büros spielenden Stücks, in dem es um nicht weniger als "die Wirtschaft" geht, und zwar um die große, die verteufelte, die funktionierende, die kapitalistische Wirtschaft. Zuletzt sah man den Direktor in seinem Bungalow der oberen Angestelltenklasse, wie er vor dem Fernsehapparat saß und seinem Widerpart, dem führenden Gewerkschaftsfunktionär, zuhörte. Und alles drehte sich. Eine Art Schwindelgefühl wie vor dem Kreislaufzusammenbruch schien die Schlußszene zu suggerieren.

Dem Zuschauer hatte schon beim Titel ein bißchen schwindelig werden können: "Eintausend Milliarden." Der D-Mark-Wert des "Produktionspotentials" in der Bundesrepublik Deutschland ist das. Man kann auch sagen, es sei eines der vielen Zahlen- und Begriffssynonyme für die Wirtschaft überhaupt. Ihren Code hat Dieter Meichsner in seinem Stück entschlüsseln wollen. Den Regisseur Dieter Wedel stellte solcher Anspruch vor erhebliche Probleme, die aber durch glaubwürdig agierende Schauspieler gelöst wurden. Vierzehn Tage Wirtschaftsablauf am Beispiel der Benzinpreiserhöhung im Frühjahr 1974, als es auch in der Politik heftig kriselte, wurden exemplarisch gezeigt. Wirtschaftliche Begriffe wurden durch konkrete Sachverhalte ersetzt; und das machte die komplizierte Angelegenheit, gegenseitige Einfluß- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen großer und mittlerer Industrie und Staat und Gewerkschaft zu verdeutlichen, zu einem spannenden Spiel.

Autor Meichsner und Regisseur Wedel haben ihr Thema weder über einen linken noch über den rechten Leisten geschlagen, sondern differenzierend vorgezeigt. Das war mehr, als die Fernsehwirtschaftsmagazine gemeinhin zu leisten vermögen. Peter Dubrow