DIE ZEIT

Dennoch: deutsch

Wenn die Deutschen in West und Ost sonst nichts mehr gemein hätten – die Fragebogen blieben ihnen. Und so fiel dann Erich Honecker, als er vor dem SED-Zentralkomitee über die Lage der Nation berichtete, ein naheliegendes Beispiel ein: Beim Ausfüllen von Fragebogen heiße es in seinem Staat "schlicht und klar und ohne jede Zweideutigkeiten: Staatsbürgerschaft – DDR, Nationalität – deutsch".

Revolution am Ende?

Ist China dabei, die Schwelle von der revolutionär-charismatischen zur institutionalisierten Herrschaftsordnung zu überschreiten, wie es die Sowjetunion unter Breschnjew endgültig getan hat? Vieles deutet darauf hin, daß die Revolution Pause macht und eine nachstoßende Führungselite für das China ohne Mao festen politischen Boden unter den Füßen zu gewinnen sucht.

Woche des Wartens

Die Entscheidung ist gefallen – und alle Fragen sind offen. Wie erwartet brachten die Konjunkturbeschlüsse der Regierung keine Überraschung mehr, wie erwartet hat sich der Kanzler etwas stärker durchgesetzt als sein stabilitätsbewußter Wirtschaftsminister.

Ölkrise – Duell oder Dialog?

Ist die Opecalypse – pardon: die Apokalypse–nahe? Haben uns die Ölförderländer am Freitag, dem 13...........................

Ein Staatsmann unter Journalisten

Journalisten schreiben nicht für die Ewigkeit, sondern für den Tag. Und auch wo sie in die Vergangenheit zurückgreifen oder den Blick in die Zukunft wagen – wirken wollen sie heute.

Worte der Woche

"Europa vergißt seine Würde, seine moralischen Werte, seine Traditionen. Es geht in die Knie. Vor wem? Es geht betteln wegen des Ölpreises.

Zeitspiegel

Nicht der Terror macht den Vereinten Nationen zu schaffen. Die Parkprobleme für die Limousinen der UN-Diplomaten machen der Weltorganisation, gegründet zur Erhaltung des Friedens, allem Anschein nach weitaus mehr Sorge.

Der vorletzte Domino fällt

Die Welt muß sich mit einem neuen Namen vertraut machen – Zimbabwe. Es ist die afrikanische Bezeichnung für Rhodesien, jenes Land, das zusammen mit Südafrika noch die letzte weiße Bastion im schwarzen Erdteil bildete.

Gutes Omen für den Ölpoker

Auf dem Flug von Washington nach Fort-de-France war Henry Kissinger noch kategorisch. Auf die leidige Frage nach der Energiekonferenz versicherte der amerikanische Außenminister: "Wenn die Franzosen sich auf der Konferenz als Vermittler zwischen uns und der OPEC aufspielen wollen, dann können wir das auch selber erledigen.

Hunger-Streik

Für einige der Baader-Meinhof-Häftlinge, die sich im Hungerstreik befinden, besteht Lebensgefahr. Es ist nicht auszuschließen, daß nach Holger Meins noch andere Mitglieder der Gruppe sterben.

Diffamierung

Die Bremer Juso-Erklärung zum jüngsten Bombenattentat im Bahnhof der Weserstadt ist kein Einzelfall. Der provozierende Beifall der Gesinnungsgenossen aus dem SPD-Unterbezirk Weser-Ems zeigt das.

Stopp-Signale für die Bildung

Die Reform der Lehrlingsausbildung ist seit dem neuen Brief von Wirtschaftsminister Friderichs, in dem er abermals sein Nein zu den Plänen des zuständigen Ressortministers Rohde begründete, ernsthaft in Gefahr.

"Sakrisch verärgert"

Am 27. Oktober errang die CSU ihren bislang größten Wahlsieg. Noch am selben Abend mahnte deshalb Parteivorsitzender Franz Josef Strauß seine Freunde zu Geschlossenheit und warnte vor Überheblichkeit.

"Einen Fuß in der Tür"

Gerhard Stoltenberg erlebte ein völlig neues Parteitagsgefühl. Der unumstrittene Führer der schleswig-holsteinischen CDU mußte auf dem Husumer Programmparteitag am vergangenen Wochenende eine empfindliche Schlappe einstecken.

Razzia bei Krishna-Sekte: Singend ins Kittchen

Daß Krishnas Jünger jahrelang auf bundesdeutschen Hauptstraßen beten und betteln konnten, ohne daß ein Polizeibeamter jemals einen der Kahlköpfe nach seinen Papieren gefragt hätte – dies alles fällt nach den Vermutungen des hessischen FDP-Landtagsabgeordneten Uli Krüger unter das Kapitel "religiöse Toleranz der Bevölkerung".

Konjunkturprogramm: Im Eilverfahren

Mit umfangreichen öffentlichen Aufträgen und der Förderung privater Investitionen will die Bundesregierung die Konjunktur beleben, notleidenden Wirtschaftszweigen helfen und die Arbeitslosigkeit verringern.

Dokumente der ZEIT – Brandt: Eine historische Weichenstellung

"Die Notlage von Millionen Kindern dieser Erde bedeutet eine Herausforderung ohne geschichtliche Parallele für die Wertvorstellungen aller Länder; nicht nur der Industriestaaten, sondern auch der Entwicklungsländer, und besonders derjenigen, die über Öl- und das bedeutet heute: viel Kapital – verfügen .

Südvietnam: Bitterer Reis

In Südvietnam wird erbittert um die Reisernte gekämpft, die sich beide Seiten – Regierungstruppen und Vietcong – nach dem Ende des Monsunregens sichern wollen.

Honecker: "Fester Kurs"

Die DDR hat Mühe, die Kooperation mit dem Westen und die ideologische Abgrenzung miteinander in Einklang zu bringen. Dies wird aus einer Rede des SED-Chefs Honecker vor dem Zentralkomitee seiner Partei deutlich.

Ulrike Meinhof: Brief an Heinemann

Ulrike Meinhof hat Altbundespräsident Heinemann in einem Brief nahegelegt, sie, Andreas Baader und Werner Hoppe in der Untersuchungshaft zu besuchen.

Giscard und Ford einig

"Ich habe viele französisch-amerikanische Treffen erlebt; dies war das ertragreichste." Mit diesen Worten kommentierte der amerikanische Außenminister Kissinger die Begegnung zwischen dem französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing und dem amerikanischen Präsidenten Ford auf Martinique.

Schröder: Treffen mit Arafat

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Gerhard Schröder (CDU), traf am Dienstag in Damaskus mit dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Yassir Arafat, in dessen Hauptquartier zusammen.

Die Oper braucht Prinzipale

Wenn ich in Paris bin, gehe ich in die Pariser Oper, die ja wieder interessant geworden ist, seit der Direktor dort Rolf Liebermann heißt.

Nun hat der Horror sogar seine eigene Zeitschrift: Die Lust am Schrecken

Hat uns das gerade noch gefehlt? Es muß wohl. Wie sonst wäre jemand darauf verfallen, dem Schrecken eine eigene Zeitschrift zu verschreiben, ein "Magazin für exklusive Alpträume"? Es heißt "Shock"und tauchte soeben zum "Schockpreis" von 4,80 Mark (pro Exemplar, nicht etwa für ein ganzes Schock) an den Kiosken auf.

Jackie in der Unterwelt

Am Anfang war nur der Titel: Chinatown.So heißen die Chinesenviertel amerikanischer Großstädte; Chinatown als Chiffre für eine geheimnisvolle Zwischenwelt, für ein undurchdringliches Terrain, in dem man sich leicht verirrt, für ein Klima exotischer Romantik und lauernder Gefahr.

Er wollte keine Elite

Ein großer deutscher Erzieher, Kurt Hahn, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit seinem Tod ist ein aufregendes, leidenschaftliches Leben zu Ende gegangen, das in der Geschichte der deutschen Erziehung ohne Vorbild war und wohl auch ohne Nachfolge bleiben wird.

Filmtips

Hierzulande wäre daraus sicherlich nur eine dünne Paukerklamotte mehr geworden. Doch Pierre Richards spröder Witz und eine Handvoll skurriler Gags und Gimmicks machen diesen Film um einen geplagten Mathematiklehrer erträglich.

Zeitmosaik

Diese Gewalt, die jetzt so sehr im Film gezeigt wird, langweilt mich; sie kommt mir meist sehr infantil, dumm vor, weil sie unmenschlich ist.

Die neue Schallplatte

Ein bißchen spät zum Schönberg-Jubiläum (geboren am 13. 9. 1874) gibt CBS zur Zeit eine Serie von Platten frei, die schon vor zehn und mehr Jahren auf den amerikanischen Markt kamen: das Klavier- und das Violinkonzert, die "Ode an Napoleon" und das gesamte Klavierwerk, gespielt von Glenn Gould.

Kunstkalender

Die Suche nach neuen Aspekten bei Klee ist verständlich, aber die angekündigte "Neuentdeckung" der bis heute nahezu unbekannten Skulpturen erweist sich als eine ziemlich belanglose Angelegenheit.

Es wird einmal sein...

Rainer Maria Rilke schrieb 1902 über Heinrich Vogeler in der Studie "Worpswede – Monographie einer Landschaft und ihrer Maler": "Alle Märchen seines großen alten Skizzenbuchs fangen mit den Worten: ‚Es wird einmal sein.

Das Gespräch mit der Autorin: Gabriele Wohmann: Weg mit der Tarnung

In Ihrem neuen Roman "Paulinchen war allein zu Haus" verreißen Sie ein Erziehungsmilieu. Es gibt sich fortschrittlich, ist befeuert von großem pädagogischen Elan, vertraut mit den modernsten erzieherischen Theorien; alles soll aufs vernünftigste mit dem Kind arrangiert werden: ausdiskutiert.

Erziehungsstudio

Man kennt solche Sätze aus dem Munde von Eltern, die, sobald ihre Kinder zu widersprechen wagen, sie mundtot machen mit dem drohenden Hinweis auf die Zukunft, auf den Ernst des Lebens.

Kritik in Kürze

"Die Verhandlung gegen La Roncière", Roman von Hans Aufricht-Ruda. Dieser 1927 erstmals erschienene, lang verschollene, nun in Peter Härtlings verdienstvoller Reihe "Im Fischernetz neuaufgelegte Roman war das erste und zugleich letzte Buch Hans Aufricht-Rudas.

Indianer in Amerika: Weißer Fluch für Roten Mann

Spätestens seit dem Erscheinen des auch in Deutschland vielgelesenen Buches Bury My Heart At Wounded Knee hat sich der Einblick in die Lebensverhältnisse der nordamerikanischen Indianer von den Karl-May-Klischees entfernt.

Winston konnte auch weinen

Unvermeidlich, aber überflüssig – so ließe sich einwenden, daß zu Churchills 100. Geburtstag den vielen Büchern, die er selbst geschrieben hat, noch weitere über ihn hinzugefügt werden.

Das Ärgernis des Jahres

Alle reden von der Fernsehkrise – der WDR offenbar nicht. Mit dem tollkühnen Mut eines Hasardeurs, der sein Vermögen längst durchgebracht hat, aber aus alter Gewohnheit immer noch den feinen Mann markiert, machte der Kölner Sender 2,7 Millionen Mark locker, um sich an einem ebenso aufwendigen wie dubiosen Unternehmen zu beteiligen.

Marstheater im Foyer

Karl Kraus wußte schon, was er sagte, als er schrieb, sein Drama sei "einem Marstheater zugedacht". Ein normales Theater wird sie nie alle aufzählen können, diese "Letzten Tage der Menschheit", und wenn nun Hans Hollmann an zwei Abenden siebeneinhalb Stunden davon szenisch herstellte, so verlangte das nicht nur die Künste eines Regisseurs, sondern auch den Mut eines Dompteurs.

Höhenproblem

Der Ausgang der privaten, beiläufig angelegten und dabei Allegorisches bietenden Szene blieb so offen wie das Ende dieses ansonsten in und zwischen Büros spielenden Stücks, in dem es um nicht weniger als "die Wirtschaft" geht, und zwar um die große, die verteufelte, die funktionierende, die kapitalistische Wirtschaft.

Ritual-Revue

Nun zieht es also auch den Schauspielregisseur Hans Neuenfels zur Oper. Der frühreife Regie-Provo und gegenwärtige Konkurrent von Palitzsch in Frankfurt zieht aber nicht etwa Nutzen aus einer Mode, sondern Konsequenzen aus der eigenen Regie-Krise.

Ein Staat lebt von Spenden

Die Scheiche aus dem Mittleren Osten können gar nicht soviel Dollars ausgeben, wie sie für ihr Öl einnehmen. Entsprechend großzügig gehen sie mit dem Geld um.

Schwimmen in Geld und Öl

Die Neureichen aus dem Morgenland sorgen fast täglich für Sensationen. An Börsen, in Banken und auf den Vorstandsetagen der Unternehmen werden immer neue Gerüchte gehandelt: Die IBM-Aktie, in Wall Street seit Monaten auf Sturzflug, stieg kürzlich unvermittelt um zwanzig Dollar, nachdem die Nahost-Agentur Mena berichtet hatte, daß sich die Araber für den Computerriesen zu interessieren beginnen.

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