Von Dieter Piel

Die Umgebung: Freizeitwert, Wintersport, Wandern. Die Stadt selbst: Im Tal eingeschlossene Langeweile, eine Mischung aus Industrie und saarländischer Behäbigkeit. Das ist Meinerzhagen, 20 000 Einwohner.

Es gibt dort zwei im weiteren Umkreis bekannte Unternehmen, die Maschinenfabrik Battenfeld und die Metallwerke Fuchs. Aber selbst denen fehlt, jedenfalls nach Ansicht der zuständigen Metallgewerkschaft, die Würze: Mitbestimmung. Der ehemalige Chef des einen Unternehmens, Werner Battenfeld, bis in die ersten siebziger Jahre ein landauf und landab berüchtigter Gegner aller unbotmäßigen Mitbestimmungsallüren, starb am Abend nach einer Betriebsratswahl. Der Seniorchef des anderen, Hans-Joachim Fuchs, ein Mann von weitaus gemäßigterem Temperament, machte jüngst kleine Schlagzeilen, als er den aus Bonn drohenden Mitbestimr mungsgefahren aus dem Wege ging: Er wandelte sein Unternehmen kurzerhand von einer Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft um.

Dabei steht Fuchs keineswegs im Ruf eines gesellschaftspolitischen Schlagetots. Er verkörpert eher den Typ des Hausvaters – einen Typ, der nach den Worten seines Betriebsratsvorsitzenden Walter Buhlmann „hier ankommt“. Unter seinen 3300 Beschäftigten herrscht eine geringe Fluktuation – was freilich auch an der geringen Zahl der Ausweichmöglichkeiten liegen mag. Fuchs zahlt aber auch gut, sehr gut sogar.

Gerade die Bezahlung aber, vor allem das besondere System, nach dem sie erfolgt, ist nach Fuchs’ eigener Darstellung der Grund, warum er sich die qualifizierte Mitbestimmung vom Halse halten will. Sie ist eine Mischung aus Tarif- und Leistungsentlohnung, Branchenkennern und Sozialpolitikern als „Fuchs-Modell“ seit über 20 Jahren bekannt.

Der Gesamtbetrieb ist in kleine Einheiten – bestehend aus einem Vorarbeiter und drei bis fünf Arbeitern – gegliedert, deren jede eigenverantwortlich arbeitet und abrechnet. Was dabei, über bestimmte Vorgaben hinaus, erlöst wird, wandert zum Teil in die Taschen der Arbeiter. Dieses System macht den Vorarbeiter verantwortlich für die ständige Produktionsbereitschaft seiner Gruppe. Daß die Maschine stets einsatzbereit ist, daß Vormaterial und Werkzeuge ausreichend zur Verfügung stehen, daß alle pünktlich zur Stelle sind und daß möglichst wenig Ausschuß produziert wird: Darauf achtet der Vorarbeiter als „Quasi-Unternehmer“ in seinem eigenen Interesse. Je besser sein Erfolg, desto höher die Prämien, die dann am Monatsende seiner Gruppe gezahlt werden.

Diese durchaus lukrative und von der Belegschaft geschätzte „Mitbestimmung am Arbeitsplatz“, meint Fuchs, würde aufs Spiel gesetzt, kämen erst einmal die Bonner Gesetzespläne zum Tragen. Da die Mitarbeiter mit dem System zufrieden zu sein scheinen, fällt es manchem schwer, dieser Argumentation zu folgen. „Was hat denn“, mault denn auch der Betriebsratsvorsitzende, „Mitbestimmung mit Erfolgsbeteiligung zu tun?“ Die Logik seines Patrons ist nicht die seine. Und sie ist noch weniger die der Industriegewerkschaft Metall, in deren nächstgelegener Bezirksgeschäftsstelle man den alten Herrn Fuchs eines „faulen Manövers“ zeiht.