Das hatten sich meine Kinder eigentlich schon lange gewünscht: Sich hineinsetzen zu können in die Flugzeuge, Autos, Häuser, Schiffe und Burgen, die sie aus Legosteinen zusammenbauen. Doch sie mußten sich darauf beschränken, ihre Bauwerke mit Stellvertretern in Form von kleinen Kunststoffiguren zu bevölkern.

Jetzt können sie auch für den eigenen Bedarf bauen. Lego hat einen großen Bruder bekommen, der auf den Namen mobilix hört und aus Gütersloh stammt. Das neue Bausystem besteht aus Kunststoffplatten verschiedener Größe, die durch Kreuzschienen auf vielfältige Art miteinander verbunden werden können. Was daraus zusammengebaut wird, ist zwar stabil und beständig, deshalb aber keineswegs für die Ewigkeit gedacht. Die Konstruktionen lassen sich jederzeit wieder auseinandernehmen und in anderer Form neu montieren.

Eigentlich ist mobilix nicht nur ein Spielzeug, sondern kann zumindest mit der gleichen Berechtigung als Möbelsystem für Kinder bezeichnet werden. Aus den Elementen lassen sich mühelos und in kürzester Zeit Bücherborde und Regale, Betten, Schreibtische und Kommoden mit Schubfächern zusammenbauen. Auch beim Möbelbau sind der Phantasie keine Schranken gesetzt. Grenzen werden nur dadurch gezogen, daß es erstens nicht jedermanns Geschmack entspricht, ein Kinderzimmer mit Kunststoffmöbeln einzurichten – und daß zweitens den meisten Kindern mobilix für solche profanen Zwecke viel zu schade ist. Meine Kinder jedenfalls würden energisch dagegen protestieren, wenn ihnen die Verfügungsgewalt über die Konstruktionselemente auf diese Art entzogen würde.

Sie brauchen sie, um – je nachdem was auf dem Spielplan steht – eine Rakete für eine Weltraumexpedition, eine Puppenstube, eine Lokomotive (siehe Bild) oder eine Festung mit Mauern und Türmen zu bauen. Räder und Achsen, die durch ein dünn überschichtetes Steckloch in jeder Platte geschoben werden können, machen die Konstruktionen bei Bedarf rasch zum fahrbaren Untersatz.

Kinder lernen den Umgang mit den mobilix-Elementen rasch. Nicht nur mein achtjähriger Sohn, sondern auch seine dreijährige Schwester haben sofort begriffen, wie die Platten mit Hilfe der Kreuzschienen, die in eine umlaufende Nut eingeschoben werden, in gerader Linie oder rechtwinklig miteinander verbunden werden können. Sie lernen dabei auch, ein Spielzeug funktionsgerecht zu planen und die einzelnen Konstruktionsschritte sinnvoll aufeinander abzustimmen. Und wenn mehrere Kinder zusammen bauen, dann lernen sie auch Teamwork, denn wenn jeder einfach drauflos baut, passen die Einzelteile nachher nicht zusammen.

Leider reicht die Kraft von Kindern nicht immer aus, um Kreuzschien und Platten zusammenzuschieben oder wieder auseinanderzunehmen. Bei einzelnen Platten gerät sogar der Vater gelegentlich ins Schwitzen, weil sie arg klemmen. Diese Kinderkrankheit sollte dem Bausystem noch ausgetrieben werden. Die Kraft und das Gewicht der Kinder reicht allerdings auch nicht aus, um die Platten kaputtzumachen. Sind sie erst einmal richtig zusammengefügt, können sie mit ihren Freunden ruhig darauf herumklettern und sogar springen. Die federleichten, schlagfesten Platten (Farben: Gelb, Orange und Braun) sind von großer Stabilität und können auch ruhig bei Regen im Garten stehen bleiben. Nur einmal, als meine Tochter sich auf die äußerste Kante der nur einseitig befestigten "Tragfläche" ihres Eigenbau-Flugzeuges setzte, war die Grenze der Belastbarkeit erreicht; die Nut brach.

Abgesehen davon, daß mobilix oft mehr Freunde ins Haus lockt, als meiner Frau lieb ist, hat das Bauspiel-System nur einen echten Fehler – seinen Preis. Er ist mit 271 Mark für den Spielset (je fünf große und halbe Stabilplatten, eine Platte mit rundem Ausschnitt, je fünf lange und kurze Kreuzschienen, vier Räder und zwei Achsen) recht hoch. Das gilt auch für den Ergänzungskasten, bei dem für vier große Platten und sieben lange und zwei kurze Kreuzschienen 127 Mark verlangt werden. Diese beiden Kästen brauchen die Kinder mindestens, damit sie richtig mit mobilix spielen können. Nicht gerade billig sind auch die übrigen Zubehörteile wie Polster, Bettbezüge, Tischplatte. Diese Preise machen das "Bauspiel-System für das ganze Kind" (Werbemotto) nicht gerade zu einem Spielsystem für jedes Kind. Dabei macht dieses neue Bauspiel sicher allen Kindern großen Spaß.

Hersteller und Bezugsquellennachweis: TopSystem Burkhard Lübke, 483 Gütersloh 12, Postfach 5070. Michael Jungblut