Duisburg: "Paul Klee – Das graphische und plastische Werk"

Die Suche nach neuen Aspekten bei Klee ist verständlich, aber die angekündigte "Neuentdeckung" der bis heute nahezu unbekannten Skulpturen erweist sich als eine ziemlich belanglose Angelegenheit. Man sieht ungefähr dreißig Kasperle-Figuren, die Klee für seinen Sohn Felix gebastelt hat, den ‚Herrn Enterich" und die "Bäuerin Schlau" und einen "Elektrischen Spuk" und den "Reinen Tor", reisende Figuren mit den typischen Klee-Visagen, die schönsten Puppen, mit denen ein intelligentes Kind spielen kann. Außer den Puppenspielereien sind neun kleine Skulpturen ausgestellt, die das gesamte plastische Werk repräsentieren, Gelegenheitsarbeiten, die zeichnerische Erfindungen ins Dreidimensionale ransponieren, wobei sich die künstlerische Idee eher abschwächt, als daß sie sich steigert – man vergleiche die kleine Gipsfigur "Unruhe des Gedankens" mit der wundervollen Zeichnung "Weibl. Akt, dick, eingebildet". Klee selber hat ein durchaus kritisch distanziertes Verhältnis zu seinen plastischen Arbeiten. Der künstlerische Akzent liegt ganz eindeutig auf der Druckgraphik, die in Duisburg komplett mit den 109 Blättern des Kornfeld-Katalogs gezeigt wird, dazu Probedrucke, Vorzeichnungen und einige Bilder. Gerade die frühe Graphik, alles, was vor der berühmten Tunisreise 1914 entstanden ist, läßt sich mit einem schwärmerisch-poetischen Klee-Verständnis überhaupt nicht vereinbaren, sie eröffnet in der Tat einen neuen Aspekt, den die Katalogbeiträge prägnant beschreiben. (Wilhelm Lehmbruck-Museum bis zum 5. Januar, Katalog 17 Mark)

Frankfurt: "Zero aus der Sammlung Lenz"

Auch das Städel will sich für die zeitgenössische Kunst stärker engagieren. "Abwesenheit von Gegenwart macht auch Vergangenheit problematisch" (Klaus Gallwitz). Die Ausstellung ist allerdings ein eher zaghafter Schritt in dieser Richtung. Sie dokumentiert ein heute schon historisches Kapitel: Kunst des Zero-Kreises und verwandter Tendenzen, aus den Jahren vor und nach 1960. Zehn Jahre genügen, um die einstige Provokation, die aggressive Geste total zu eliminieren, um die Bilder und Objekte entgegen den ursprünglichen Intentionen ästhetisch konsumierbar zu machen. Manches, was als brutale Destruktion des herkömmlichen Bildermachens gemeint war, etwa Fontanas "Concetto spaziale", erscheint retrospektiv nur noch als perfektes Kunstgewerbe, während die Arbeiten von Soto, Colombo, Maegert, Girke mit den Jahren sogar an Effektivität gewonnen haben. Die fünfzig Exponate stammen aus der Sammlung Lenz, die der Stadt Frankfurt zum Kauf angeboten wurde. Frankfurt und das Stadel haben auf die Übernahme der kompletten Sammlung verzichtet und statt dessen einige exzeptionelle Stücke erworben, eine vernünftige Entscheidung. Die Ausstellung will der Öffentlichkeit Gelegenheit geben, diese Entscheidung zu überprüfen undMuseums-Ankaufspolitik transparent zu machen. (Städelsches Kunstinstitut bis zum 26. Januar, Katalog 10 Mark)

Gottfried Sello

Hamburg: "Hannah Höch"