Am Strand palmenbedeckter Südseeinseln ärgert man sich offenbar in ähnlicher Weise, wie das Europäer tun. "Pancha-Kelya", ein unterhaltsames Wettkampfspiel für zwei bis vier Personen aus der Reihe "Steidl – Spiele für Erwachsene aus fremden Völkern und Kulturen" ist nämlich nichts anderes als unser gutes altes "Mensch-ärgere-Dich-nicht" mit ein paar exotischen Attributen. Als Würfel dienen hier sechs Kaurimuscheln, die man aus der hohlen Hand oder einem Körbchen auf den Tisch streut. Sechs Muschelschlitze nach oben bedeutet sechs Augen. Gesetzt wird mit bunten Kieselsteinen auf einem teppichartigen Lederspielplan, den eine Südseehütte als Ziel ziert. Die Spielbahn ist gegenüber dem "Mensch-ärgere-Dich-nicht" etwas variiert, die Spielregeln sind bis auf eine Ausnahme die gleichen: Wer drei Muschelschlitze nach oben, also eine Drei würfelt, muß einen Stein des Gegners setzen.

"Pancha-Kelya" ist eines von vier Spielen, die unter dem Sammeltitel "Sulahai" als die schönsten Muschelspiele aus der Südsee bezeichnet werden. Auch den anderen drei, "Sulahai", "Dittar-Pradesh" und "Bamboo and Cowrie", ermangelt es, sieht man einmal von Bambusstäbchen und Muscheln ab, ganz und gar an Südsee-Faszination. Alle drei wandeln lediglich die Regel: mit Muscheln würfeln und Bambusstäbchen nehmen und geben – von denen jeder Mitspieler jeweils eine bestimmte Anzahl zugeteilt bekommt – auf verschiedene Weise ab. Selbst Kinder verlieren hier schnell die Lust, weiterzuspielen.

"Navajo", so erzählt uns der Hersteller, "ist das älteste indianische Spiel und entstand aus mythologischen Erzählungen der Navajo- und Zuni-Indianer." Aber auch hier steht der geheimnisvolle Name für ein eher einfaches und wenig abwechslungsreiches Spiel. Gespielt wird auf einem Lederteppich mit 47 Feldern, die in drei parallelen Reihen angeordnet und durch Linien verbunden sind. Jeder der zwei Spieler erhält 23 Bachkiesel, mit denen er eine äußere Reihe und die Hälfte der mittleren Reihe besetzt. Ein Feld in der Mitte bleibt frei. Der Spieler, der beginnen soll, wird ausgelöst. Er zieht seinen ersten Stein auf den Mittelpunkt. Der Gegner überspringt diesen Stein und nimmt ihn vom Brett. Nun wird abwechselnd gezogen, mit dem Ziel, möglichst viele gegnerische Steine zu überspringen, auch Kettensprünge sind möglich. Wer keinen Stein mehr hat, ist der Verlierer.

Zum Spiel gehören zwei Zählschnüre mit je fünf Kugeln, auf denen jeweils für Sieg oder Niederlage eine Kugel verschoben werden soll. Die Spielanleitung ist hier aber so undeutlich, daß man nicht herausbekommt, wie man die Kugeln verschieben soll und bei welcher Kugelstellung der Sieger feststeht. So denkt man sich besser einen eigenen Zählmodus für die Ermittlung des Gewinners aus.

Zum Nachdenken und Kombinieren regt dagegen ein anderes Spiel aus der Steidl-Reihe an: "El Cid". Es ist ein Belagerungsspiel, bei dem es freilich nur Angreifer gibt, die Festung verteidigt sich gewissermaßen selbst – durch Engpässe. Der Spielplan sieht auf den ersten Blick wie eine Himmelskarte aus. An seinem äußeren Kreis sind 25 Startpunkte, die auf verworrenen Linien und Stationen in einen inneren Kreis führen. Auf dem Wege dorthin verringert sich jeweils die Anzahl der Spielfelder, so daß man bei geschicktem Operieren den Gegner zum Warten zwingt. Die Aufgabe besteht nicht darin, gegnerische Steine zu schlagen, sondern zuerst alle eigenen Steine in der Festung zu haben. Wenn mehr als zwei Personen spielen (bis zu sechs Spieler), wird tatsächlich die hohe Schule der Taktik verlangt.

Die Aufmachung aller hier erwähnten Steidl-Spiele fordert noch zu einem weiteren kritischen Wort heraus. Sie ist viel zu aufwendig und unpraktisch. Alle Spiele werden in großen, wenig haltbaren Pappkartons angeboten. Bekommt man sie schon kaum in den Spielschrank hinein, so sind sie für die Urlaubsreise völlig unbrauchbar. Die Spielutensilien: Muscheln, Steine, Bambusstäbchen und Spielpläne, rechtfertigen kaum den hohen Preis. Ferdinand Ranft

Sulahai. Die schönsten Muschelspiele aus der Südsee. Für 2–6 Spieler, ab 10 Jahre. Etwa 29 Mark.