Das Gericht horchte auf, als der Angeklagte sagte: "Im Knast redet man doch immer von Mord, jeder will einen umlegen ..." Der hatte schon wegen Mordes gesessen, irgendein Flittchen war dran gewesen, und dann kam er raus und ging gleich wieder so einer an den Hals – und Ende. Die hatte im Bett was von ihm erwartet, beide waren ziemlich voll gewesen, aber er konnte nicht.

Wieso horchte das Gericht auf? Es gibt Vollzugsanstalten, wo immer von Mord geredet wird, und es sind fast immer dieselben Redensarten: "Auf dich bin ich schon lange spitz, dich lösch ich aus", oder "aus dir mach ich ’n Sieb, wenn wir draußen sind und wenn ich deshalb wieder reingeh", oder "dem schieß’ ich das Gehirn raus, da gibt’s kein Wiedersehen". Das geht noch weiter und richtet, sich gegen Schließer und was dazugehört, gegen Kumpel und gegen Typen draußen. Da wird immer vom Umlegen gesponnen, und im Traum erst, wer träumt das nicht. Das Gericht hätte nicht aufhorchen sollen, als der Angeklagte das sagte, das Gericht hätte längst wissen müssen, daß in manchem Knast immer von Mord geredet wird und daß man das immer wieder berücksichtigen muß, immer wieder.

Einbrecher, die ziemlich auf sicher arbeiten wollen, haben was gegen Bürohäuser. Aber in den Bürohäusern wird fleißig geknackt, und man fragt sich, wer ist denn da zugange? Das sind nichts weiter als ausgeflippte Handtaschenräuber, die auch Blut sehen können. Gegen Feierabend gehen die da ein bißchen spazieren, drücken mal auf eine Türklinke, und wenn noch nicht abgeschlossen ist, merken sie sich die Tür, oder sie gehen einfach rein und stellen fest, daß nur eine Person da ist, dann ist die dran: entweder Hände hoch oder sofort was auf die Rübe und her mit der Kohle. Einer wartete auf der Toilette, wer dann reinkam, wurde niedergemacht und gefilzt. Ist jemand länger ganz allein im Büro, muß er sicherheitshalber manchmal laut mit sich selber reden, und muß er austreten, dann muß er zur Bürotür hin sagen: "Komm man schon mit, bei mir geht’s schnell."

Ole K. hat jetzt Urlaub gekriegt, nach drei Jahren den ersten. Er fuhr zu seinem Onkel, dem ein Kollege Nachtarbeit als Portier in einem Hotel verschafft hat. Eine Absteige ist das nicht direkt. Ole wird ihn vertreten, denn sein Onkel hat sich mit seinen achtundsechzig noch eine aufgetan, die auch mal nachts mit ihm zusammen sein will, gerade um diese Jahreszeit. Und Ole bekommt Trinkgelder, und zwanzig Mark tut sein Onkel jeden Morgen für ihn raus, Ich kenne seinen Onkel und saß dann mal morgens gegen zwei bei Ole. Er hat sich eine Höhensonne gekauft und macht zweimal am Tag eine richtige Kur davor. Im Knast sind ja alle leichenblaß, trotz Freistunde und Sport. Er will im Urlaub braun werden. Butterbrote nimmt er mit, aber dazu kaut er entweder an einer Wurzel, oder er holt sich eine frische Gurke. Die Anstaltsköche verarbeiten ja lieber Dosengemüse, Frischgemüse macht denen nämlich zuviel Arbeit.

Ja, und vor drei Jahren noch, da ging es immer auf die Schließer los: "Ihr Nazischweine" und so. Jetzt gibt es aber Zugänge, die einen älteren Schließer mit "Du alter Nazi" anmachen, und die jüngeren sind für die Kommunisten ... Da ist nun jemand auf Urlaub, und ich quetsch’ ihn aus. Ole wollte auch nichts mehr sagen, aber wir redeten noch über neue Platten, er hat sich schon fünf gekauft, die er mit reinnehmen will, ja, und dann das noch: Der evangelische Pfarrer sollte beim Gottesdienst endlich die Typen rausschmeißen, die sich da gegenseitig befummeln oder irgendeine Show abziehen, und wenn dann der Organist immer wieder daneben greift, ist alles geplatzt. Ole meint, ein Klasseorganist könnte den Pfarrer ersetzen, denn das Orgelspiel hätte es in sich. Und dann herrsche auch Ruhe, und ob. Nun ist Ole besonders musikalisch.