Hans Gerling hat kapituliert, aber nicht alle Gläubiger der Kölner Bank freuen sich darüber

Um halb sieben Uhr morgens wurden die ersten der 3000 Gläubiger der zusammengebrochenen Herstatt-Bank in die Kölner Sporthalle hineingelassen, in der seit Dienstag, dem 17. Dezember, über den geplanten Vergleichsvorschlag diskutiert wurde. Danach würden die privaten Gläubiger 65, die Kommunen und ausländischen Banken 55 und die inländischen Banken 45 Prozent ihrer Forderungen in einem außergerichtlichen Vergleich bekommen.

Die Kölner Sporthalle war bis Donnerstag gemietet. Bei Redaktionsschluß war noch nicht bekannt, ob in allen drei Kategorien die notwendige Mehrheit von 75 Prozent der Stimmberechtigten für den Vergleich gestimmt hat.

Für den außergerichtlichen Vergleich spricht vieles. Er würde die schwelende Vertrauenskrise im privaten Bankgewerbe am schnellsten beenden. Inländische Banken jedoch, die in New York keine Herstatt-Vermögenswerte mit einem Arrest belegt haben, hatten gute Gründe, dem außergerichtlichen Vergleich ihre Zustimmung zu versagen.

Denn sie mußten folgende Rechnung aufmachen: in einem Anschlußkonkursverfahren mit gleicher Quote für alle würde jeder Gläubiger aus der vorhandenen Masse 45 Prozent seiner Forderungen bekommen. Außerdem würden aus den mit Arrest belegten Vermögenswerten in New York 18,3 Prozent, einschließlich Zinsen 20 Prozent, in die Masse fließen, so daß dabei für alle Gläubiger eine Quote von 65 Prozent zu erwarten wäre.

Inlandsbanken hätten es deshalb nicht leicht, ihre Aktionäre davon zu überzeugen, daß es richtig war, dem außergerichtlichen Vergleich zuzustimmen, bei dem nur 45 Prozent für sie herauskommen würden, während sie im Anschlußkonkurs mit 65 Prozent rechnen könnten. Der Anschlußkonkurs war für manche Gläubiger auch deshalb attraktiv, weil dann der Konkursverwalter von Amts wegen verpflichtet ist, alle Rechtswege auszuschöpfen, die zu einer Durchgriffshaftung des Mehrheitsaktionärs und Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Gerling führen könnten. Außerdem kämen dann noch jene Ansprüche gegen die Bundesbank hinzu, die sich auf den Zeitpunkt der Schließung der Herstatt-Bank stützen, weil manche Geschäfte mit überseeischen Banken nicht mehr abzuwickeln waren.

Doch auf den erfolgreichen Ausgang der dafür notwendigen Prozesse kann niemand einen Eid schwören. Sicher ist nur, daß die Prozesse jahrelang dauern würden und daß sie teuer wären. Im Laufe dieser Jahre könnte sich das private Bankgewerbe nicht von den Schlägen erholen, die ihm durch den Vertrauensschwund zugefügt worden waren. Mit Sicherheit aber hätte die Aussicht, daß Hans Gerling eines Tages doch noch mit seinem vollen Vermögen für die Schulden der Herstatt-Bank einstehen muß, der Gerling-Versicherungsgruppe den Boden erfolgreicher Arbeit entzogen.