Eine solche Heimsuchung zweier Wirtschaftszweige mußten die Gläubiger in ihre Überlegungen einbeziehen. Der Spatz in der Hand war deshalb vielen lieber als die Taube auf dem Dache.

Auch der Spatz war schwer genug in die Hand der Gläubiger gekommen. Hans Gerling hätte anfangs über den Verlust seiner 81 Prozent am Eigenkapital der Herstatt-Bank hinaus am liebsten nur noch den gleich nach dem Zusammenbruch der Bank angebotenen Härtefonds von 30 Millionen Mark zur Befriedigung der Gläubiger ausgesetzt. Dann wurde ihm wie einem kranken Gaul zugeredet, mehr anzubieten. Denn sollten etwa die Kunden der Bank die Zeche für die Versäumnisse der Bankleitung bezahlen, während der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Gerling den größten Teil seines Vermögens rettet?

Gerling vereinbarte mit einem Banken-Konsortium in einem Rahmenvertrag, daß dieses Konsortium 50 Prozent der Anteile an seiner Versicherungsgruppe übernehmen und dafür 200 Millionen Mark zahlen werde. Diese Summe wollte Gerling in einen Hilfsfonds zur besseren Befriedigung der Herstatt-Gläubiger einbringen. Aber dann hat er die Hilfe unvermittelt zurückgewiesen.

Auch die von ihm selbst eingefädelte zweite Lösung, bei der er der Zürich-Versicherung 25,1 Prozent der Anteile verkaufen und ihr eine bis 1976 befristete Option auf den Erwerb von weiteren 25,9 Prozent einräumen wollte, ist am Ende von ihm vereitelt worden.

Während die Banken für 50 Prozent noch 200 Millionen zahlen wollten, bot die Zürich-Versicherung für eine Schachtel nur noch 50 Millionen Anzahlung. Freilich sollte der endgültige Kaufpreis von einer Bewertung der Anteile abhängig gemacht werden. Den Rest bis zu 200 Millionen hätte wieder das Bankenkonsortium zur Verfügung stellen müssen, diesmal allerdings nicht mehr für eine Beteiligung, sondern als Darlehen gegen Sicherheit.

Aber auch diese Regelung entsprach noch nicht dem Geschmack des Hans Gerling. Der Termin der Gläubigerversammlung, den der Vergleichsrichter schon bis zum 17. Dezember hinausgeschoben hatte, rückte immer näher. In letzter Minute haben dann Gerling-Freund Wolf von Amerongen und Günther Vogelsang, der den Vergleichsvorschlag ausgearbeitet hat, die Initiative zu einer dritten Variante ergriffen. Sie brachten ein Industrie-Konsortium auf die Beine, das schließlich nach langen Verhandlungen bereit war, die 25,9 Prozent, auf die die Zürich-Versicherung eine Option gehabt hat, zu übernehmen und auch 50 Millionen Mark dafür zu zahlen.

Die notwendigen 200 Millionen Mark, die Hans Gerling in den Hilfsfonds einzahlen müßte, falls der außergerichtliche Vergleich angenommen wird, werden nun von drei Parteien aufgebracht: 50 Millionen zahlt die Zürich-Versicherung für die Schachtelbeteiligung von 25,1 Prozent, 50 Millionen zahlt das Industrie-Konsortium für die Schachtelbeteiligung von 25,9 Prozent, und 100 Millionen werden von dem nimmermüden Bankenkonsortium unter der Führung der Westdeutschen Landesbank und der Deutschen Bank als Darlehen zur Verfügung gestellt.