München

Am 27. Oktober errang die CSU ihren bislang größten Wahlsieg. Noch am selben Abend mahnte deshalb Parteivorsitzender Franz Josef Strauß seine Freunde zu Geschlossenheit und warnte vor Überheblichkeit. Im Siege, so Strauß, sei der Kluge maßvoll. Kaum war jedoch der Siegesrausch verklungen, wurden die Christlich-Sozialen aufmüpfig. Sie hielten ihre Reihen zwar fest geschlossen, aber mit dem Maßhalten mochten sie sich gar nicht so recht anfreunden: Der Sieg sollte ausgekostet werden.

Vor allem die bayerische FDP bekam dies zu spüren. Die Liberalen hatten sich noch nicht von dem Schrecken erholt, daß sie lediglich mit acht Abgeordneten in den Landtag einziehen sollten, als sie bereits einen neuen Tiefschlag hinnehmen mußten: Die 132 Mann starke CSU-Fraktion weigerte sich, dem Fähnlein der acht Freien Demokraten den Fraktionsstatus zuzuerkennen. Sie berief sich auf die erst kurz vor der Landtagswahl geänderte Geschäftsordnung. Danach sind zur Bildung einer Fraktion zehn Abgeordnete erforderlich. Geschäftsordnungen, so argumentierte die CSU-Fraktion, könne man nicht jedesmal so ändern, wie man es gerade brauche. Für die Riege der Liberalen bedeutet dies neben dem Verlust von 300 000 Mark für parlamentarische Geschäftsführung, Beratung und Hilfskräfte, daß sie nunmehr in keinem der 13 Ausschüsse des Landtags vertreten ist; die FDP-Parlamentarier wurden damit von der Regierungspartei zu Abgeordneten zweiter Klasse degradiert.

Will man von CSU-Vertretern wissen, welche Vorteile sie sich davon erhoffen, daß sie den acht Liberalen die Möglichkeit einer sinnvollen parlamentarischen Arbeit nehmen, kommen die sonst sehr "gewappelten" Befragten ins Stottern. Es klingt denn auch wenig überzeugend, daß die Entscheidung auf rationalen Erwägungen basiere. Viele CSU-Mandatsträger verkünden andererseits lauthals, die FDP habe nun für die "Schmach" zu büßen, die sie ihnen während des Wahlkampfes angetan habe.

In der Tat: Die FDP war mit der Regierungspartei des Freistaates nicht gerade zimperlich verfahren. "Wir haben sie im Wahlkampf schon sakrisch geärgert", bekennt FDP-Sprecher Julian Gyger freimütig. Außerdem hatten die Liberalen gewagt, dem CSU-Chef Strauß die kalte Schulter zu zeigen, als dieser sie lange vor dem Wahltermin für eine Koalition in Bayern gewinnen wollte. Dies alles habe "psychologische Nachwehen" hinterlassen, meint Dieter Kiehl von der CSU.

Auf der Suche nach den politischen Hintergründen stößt man auf ein nicht völlig durchschaubares Motivationsgeflecht. Geld, wie könnte es anders sein, ist mit im Spiel. Es gibt die bislang von der CSU nicht widersprochene Behauptung, wonach die Union nur dann einlenken will, wenn sie gleichzeitig für ihre Hanns-Seidel-Stiftung von Bundesseite eine kräftige finanzielle Aufstockung erhält.

Wer den in CSU-Kreisen gern zitierten Spruch: "Mir san zwar die Dümmeren, aber die Mehreren" für Selbstironie hielt, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Demokratie wird hier lediglich als Mehrheitsprinzip gesehen; Minderheiten fallen für die CSU im Parlament unter den Tisch. Schließlich, so begründet die Fraktion ihre starre Haltung, hätten 94,8 Prozent der bayerischen Wähler gegen die FDP gestimmt. Und übereifrig weist die CSU auf ihre "Basis", die in Briefen und Telephonaten darauf dringe, gegenüber der FDP hart zu bleiben.