Die private Bankenkundschaft war bisher nicht bereit, die Senkung des Nominalzinssatzes von zehn auf 9 1/2 Prozent zu akzeptieren. Der Neuabsatz von Anleihen stockt. Das Kursgefüge am Rentenmarkt ist wieder labil geworden. Deutlich zeigt sich, daß in den letzten Wochen spekulative Renten-Bestände in Erwartung einer Zinssenkung aufgebaut worden sind, die jetzt schon wieder zum Verkauf stehen. Sie behindern den weiteren Kursanstieg.

Am Aktienmarkt scheint ebenfalls einiges "vorweggenommen" worden zu sein. Kenner bezweifeln, ob es unter diesen Umständen noch zu einem "Aufgalopp" zum Jahresschluß kommen wird. Den institutionellen Anlegern, besonders den Kreditinstituten, scheint das Erreichte zu genügen.

Größere Käufe waren nur noch in den Bank-Aktien, bei Siemens und Mannesmann zu beobachten. Teilweise dürften sie auf ausländische Rechnung gegangen sein. Die Anlagewelle bei den Versorgungsunternehmen ebbte rasch wieder ab, obwohl doch die Versorgungsunternehmen von den Maßnahmen der Bundesregierung zur Konjunkturankurbelung auch langfristig profitieren werden. Allerdings blieb die Skepsis der Börsianer hinsichtlich auskömmlicher Strompreise. Nur sie garantieren eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Nicht alle staatlichen Stellen scheinen bereit zu sein, diese Notwendigkeit anzuerkennen. K.W.