Mit dem neuen Einheitspreissystem der OPEC endet für die westlichen Ölgesellschaften die Zeit hoher Gewinne und Steuervorteile.

Am 1. Januar 1975 endet die Herrschaft des Westens über die Ölschätze Arabiens. Die Konferenz der Erdölexportierenden Staaten (OPEC) nahm in der vergangenen Woche in Wien einstimmig eine Resolution für ein neues Preissystem an. Die vollständige Übernahme ausländischer Fördergesellschaften in Arabien steht kurz bevor (vgl. ZEIT Nr. 39/74 "Vertreibung aus dem Paradies").

Mehr als 40 Jahre lang profitierten Konzerne wie Esso (heute Exxon), Standard Oil of California (SOCAL), Texaco, Mobil Oil, BP und andere von ihrer bedeutenden Stellung im internationalen Ölgeschäft. Sie kontrollierten den Fluß des Öls vom Bohrloch bis in die entlegendsten Dörfer der Welt. Was sie anordneten, wurde befolgt. Widerspenstige orientalische Regenten konnten durch Drosselung der Förderraten und damit durch niedrigere Staatseinnahmen gefügig gemacht werden.

Seit Anfang der fünfziger Jahre profitierten die Konzerne zusätzlich von einem komplizierten Preissystem. Von einem veröffentlichten Listenpreis (posted price) zogen sie Förderkosten und Abgaben (Royalties) ab und teilten sich die verbliebene Differenz 50:50 mit den Förderländern, deren Anteil außerdem als Steuerabgaben deklariert werden konnte. Da Steuerabgaben im Ausland gegen ihre heimische Steuerschuld verrechnet wurden, brauchten die Fördergesellschaften jahrzehntelang kaum Steuern für Gewinne am Bohrloch zu zahlen.

Durch dieses System verdienten sie automatisch an jeder Preiserhöhung mit. Doch die Freude darüber war kurz. Im Januar des vergangenen Jahres mußten sie 25 Prozent ihrer Konzession an die Förderländer abtreten, ein Jahr später noch einmal 35 Prozent. In wenigen Wochen werden ihnen die verbliebenen Anteile auch noch abgenommen.

Für die Mineralölgesellschaften endet damit nicht nur die gute alte Zeit hoher Gewinne und Steuervorteile. Die Mächtigen von einst werden zu bloßen Käufern degradiert, die das Öl zu einem Einheitspreis abkaufen müssen Dieser Preis – so heißt es im Kommuniqué der OPEC – wird am 1. Januar 1975 das alte System ablösen und gleichzeitig um 3,9 Prozent über ihren bisherigen Einnahmen liegen. Ein Faß Rohöl soll dann 10,12 Dollar (mit gewissen. Abstufungen nach Qualität und Transportweg) kosten. Nach neun Monaten wird der Preis an einen Inflationsindex in den westlichen Industrieländern gekoppelt und automatisch ansteigen. Hierüber soll die nächste OPEC-Konferenz am 24. Januar in Algier befinden. jfr