Diese Gewalt, die jetzt so sehr im Film gezeigt wird, langweilt mich; sie kommt mir meist sehr infantil, dumm vor, weil sie unmenschlich ist. Man muß zeigen, daß die Person, der Gewalt angetan wird oder die Gewalt ausübt, ein bestimmter Mensch ist und nicht ein Gegenstand in einem Spiel oder so. Es muß in einem Film klarwerden, daß etwas Lebendiges, Kostbares, Geliebtes verletzt oder vernichtet wird. Das, hoffe ich, wird in "Chinatown" deutlich.

Roman Polanski in einem Interview mit dem "Spiegel"

Basler Theater: Ende vor Beginn

"Ich habe mich mit Leidenschaft für das Theater in dieser Stadt eingesetzt." Also sprach zum schlechten Ende Arno Wüstenhöfer, designierter Nachfolger Werner Düggelins als Theaterdirektor in Basel. Unzureichende Finanzmittel für die durch den üppigen Theaterneubau sehr viel teurer werdende Basler Bühne hatten schon Düggelin zur Resignation getrieben – sie sind nun auch ein Hauptgrund dafür, daß Wüstenhöfer, derzeit noch Intendant in Wuppertal, seinen Posten gar nicht erst antritt. In einer Volksabstimmung am 23. Juni waren von der ursprünglich geforderten Subventionserhöhung noch rund die Hälfte, 1,8 Millionen Franken, bewilligt worden. Doch Ende Oktober reduzierte die Regierung im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen die Erhöhung noch einmal um rund 250 000 Franken. Das war Wüstenhöfer zuviel: Er beruft sich auf Vertragsklauseln, die nicht eingehalten wurden (und hat recht damit), fühlt sich aber auch als Ausländer desavouiert und mutmaßt, die Kreditbremse sei nur angezogen worden, um ihn aus Basel zu vertreiben (was unsinnig ist). Das neue Theater muß im Herbst 1975 irgendwie eröffnet werden, und wieder weiß man nicht, wer es leiten soll – ein Vorgang, der komisch wäre, ginge es dabei nicht um ein Theater, das sich in den letzten Jahren einen großen Ruf erworben hat.

Neues aus Kassel

Als künstlerischer Leiter für die documenta 6 wurde Manfred Schneckenburger, seit Mai 1973 Direktor der Kölner Kunsthalle, vom documenta-Aufsichtsrat berufen. Manfred Schneckenburger, Kunsthistoriker, 36 Jahre alt, arbeitete im Münchner Olympiakomitee für Ausstellungen mit und war beteiligt an der umstrittenen Kölner Avantgarde-Ausstellung "Projekt 74", seinen Kölner Ausstellungsein- und -ausstand wird er mit einer am 19. Dezember in der Kunsthalle beginnenden Barlach-Ausstellung geben. In der dpa-Meldung, die Schneckenburgers Nominierung anzeigte, war von den Räten und Beiräten, die bisher das etwas tumultuöse documenta-Vorausgeschehen bestimmt hatten, keine Rede, und in ersten Äußerungen betonte Schneckenburger seine vertraglich zugesicherte Unabhängigkeit von allen amtlichen und künstlerischen Schirmherren. Der Kaffee aber, aus dessen Satz dann zu lesen wäre, wird erst noch gekocht werden müssen: Der nächste Termin für Neues aus Kassel wird Anfang 1975 sein; Dr. Rolf Lucas, der documenta-Geschäftsführer, hat für Februar eine neue Gesprächsrunde der Beteiligten einberufen.

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