Der Aktion "Weiße Weste", die seit Monaten Weichspüler und Reinwäscher im größtenteils hektischen Einsatz gegen Trikot- und Nestbeschmutzer aller Art sah, darf ein "Grauweiß – weißer geht’s nicht" als bestes aller in diesem Falle möglichen Prädikate bescheinigt werden. Die Grundsatzdiskussion um das mehr nervtötende als atemberaubende Thema "Sport und Werbung" wurde mit der Verabschiedung von Leitlinien zunächst einmal beendet. Dabei schaffte der Hauptausschuß des Deutschen Sportbundes anläßlich seiner 13. Sitzung in Frankfurt ein passables Abstimmungsergebnis von 313 gegen 43 Stimmen, das nicht von vornherein erwartet werden konnte. Es ist die Gummiparagraphen-Eigenschaft des einen oder anderen Punktes der saubermännischen Gesetzgebung, die klare Mehrheitsverhältnisse schuf und die mittelbar und unmittelbar Betroffenen dazu zwingt, den Grauschleier noch eine Zeitlang zu. ertragen. Vom 1. Januar 1976 an wird es also nicht mehr gestattet, daß die Athletenbrust kundtut, mit wessen Finanzspritzen der Verein den Betrieb ankurbelt. Doch schon bei der werblichen Verunzierung von Klubnamen und Emblemen sind im Hinblick auf unanfechtbare demokratische Entscheidungsprozesse durch die Mitglieder auch langfristige Kursabweichungen denkbar. Die empfohlene Verhinderung entsprechend den satzungsgemäßen Möglichkeiten bleibt ein Appell an die sportkameradschaftliche Einsicht der Zögernden, zumindest nicht die Hand vom Strang loszulassen, an dem andere ziehen.

Überhaupt kennzeichnet der entschiedene Wille zum gemeinsamen Handeln die Endfassung des Sieben-Punkte-Papiers, das viele Möglichkeiten des angemessenen Werbeeinsatzes zum Vorteil des Sports offen läßt, nicht den Anspruch beinhaltet, trotz Ablehnung der exzessiven Reiterwerbung aller Fernsehprobleme in diesem Zusammenhang gleich mitlösen zu wollen und schließlich nach beängstigenden Höhenflügen in eine werbefreie Traumwelt für die hier Beteiligten doch noch eine verhältnismäßig sanfte Landung auf dem Boden der Realitäten bewirkte.

"Wir haben erreicht, was erreichbar war, kein Triumph, aber eine wichtige Übereinstimmung, die trotz Empfehlungscharakter langfristig Wirkungen erzielen wird", sagte DSB-Präsident Willi Weyer nach dem Arbeitssieg zugunsten der sportlichen Glaubwürdigkeit. Daß trotz besagter allgemeiner Kompromißbereitschaft bis an die Grenze des Möglichen einige Ausbrüche die Einheitsfront verhinderten, hängt wohl in erster Linie mit profilneurotisch gesteuerten Auftritten des Fußballvizepräsidenten Hermann Neuberger zusammen. Nicht, daß der selbsternannte Advocatus Diaboli dieser Hauptausschußsitzung mit zum Teil durchaus überzeugenden Argumenten Gegenposition bezog und die Anzapfung neuer Geldquellen vor dem Werbeverbot einstufte, nicht, daß er ethisch-moralische Grundsatzüberlegungen offenherzig den Sektierern der Veranstaltung gutschrieb, machte seine Einsätze fragwürdig. Schön deshalb nicht, weil die Demonstration der Meinungsvielfalt auch im Sport immer zur Selbstverständlichkeit wird. Völlig ins Abseits manövrierte sich der starke Mann des DFB erst bei der Abstimmung, als er die Nein-Stimmen-Pakete der Fußballer und des ebenfalls von ihm repräsentierten saarländischen Landessportverbandes sozusagen gegen die eigene, persönlich mitformulierte Vorlage mobilisierte.

Die DSB-Delegierten entschieden sich bei der Wahl zwischen zwei Möglichkeiten klar zugunsten eines nach wie vor aktuellen ethisch-moralisch begründeten Sportverständnisses und gegen finanzpolitische und buchhalterische Einwände. Und vierzehn Tage später schließlich unterstrich die Stiftung Deutsche Sporthilfe die hehren Grundsätze mit einer unmißverständlichen eigenen Entscheidung. Vom 1. 3. 1975 an wird es für Werbeträger keine Förderung mehr geben.

Die Fußballer im Abseits. Werden sie dort bleiben? Harald Pieper