Ein Unternehmer – holzverarbeitende Industrie, mittelständischer Familienbetrieb – sucht dringend Leute. Der Fall scheint einfach, denn er sucht keinen hochqualifizierten Facharbeiter, sondern jemanden, der angelernt werden kann. Der Arbeitnehmer muß lediglich verhältnismäßig selbständig Maschinen bedienen können.

Das zuständige Arbeitsamt Neumünster, dessen Bereich neben der Stadt Neumünster große Teile der Kreise Rendsburg/Eckernförde und Segeberg sowie einen kleinen Teil des Kreises Plön umfaßt, registrierte im November eine Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent (Bundesdurchschnitt 3,5 Prozent). Es werden drei Leute in den Betrieb geschickt.

Der erste, gut 40 Jahre alt, stellungsloser Bauhilfsarbeiter, neun Kinder, meldet sich – von sanftem Alkoholdunst umgeben – freudlos: "Ich soll mich hier melden Ein Blick in die Fabrikhalle läßt die restliche Arbeitslust schwinden: "Das kann ich nicht, ich war auf dem Bau." Damit ist das Gespräch abgeschlossen.

Der zweite, der sich meldet, hat schon zwei Versuche hinter sich. Einen Tag lang hat er beim ersten Arbeitgeber durchgehalten. Aber da war er mit Fahrt elf Stunden von zu Hause weg – zu lange. Der zweite Job hatte ihm nicht zugesagt. Der dritte schließlich auch nicht: Es müssen auch Überstunden geleistet werden.

Der dritte kam direkt aus dem Jugendstraflager Neumünster, seine einzige Qualifikation: Arbeitswille. Er wurde eingestellt.

Einer meldete sich immerhin unaufgefordert: Er hat Strafanstalt und Trinkerheilstätte hinter sich und somit keinen gesetzlichen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung.

Ans Arbeitsamt jedenfalls will sich der Unternehmer nun nicht mehr wenden: "Es hat keinen Sinn, die Leute kann ich nicht brauchen." Freilich, auch der Versuch, über eine Annonce in der örtlichen Zeitung Arbeitskräfte zu gewinnen, schlug fehl. Drei Männer meldeten sich telephonisch. Zu den vereinbarten persönlichen Gesprächen ist keiner erschienen.

Gezahlt wird (Tarif für Angelernte, Ortsklasse II: 6,02 Mark) ein Stundenlohn von 8,05 bis 9 Mark. gf