Die Medien, diese Instrumente vielfältiger Vermittlung, wurden noch bis vor wenigen Jahren ohne große Hintergedanken akzeptiert. Gewiß, es gab eine Zeitungswissenschaft, aber sie beschäftigte sich oft mehr mit der Geschichte als mit der Funktion der Presse, noch seltener mit deren Wirkung auf den Leser. Der Vormarsch der elektronischen Medien Fernsehen und Rundfunk und deren unbestreitbare ökonomische, soziale und politische Relevanz haben indes die Neugier der Wissenschaftler geweckt. Medienforschung nennt sich die Wissenschaft, die die Geheimnisse um die Kommunikationssysteme und deren Einflüsse auf die Willensbildung ihrer – Klienten lüften will.

Einen Beitrag dazu will das von Ruprecht Kurzrock herausgegebene Buch:

"Medienforschung"; Colloquium-Verlag, Berlin 1974; 214 Seiten, 16,80 DM

leisten, in dem sich ein gutes Dutzend Experten mit den Rollen von Fernsehen, Rundfunk und Film beschäftigt. Die Sammlung von Aufsätzen zählt zur Schriftenreihe der Rias-Funkuniversität, in der regelmäßig Schwerpunktprobleme unter den unterschiedlichsten Perspektiven behandelt werden.

Die Beleuchtung eines Problems von vielen Seiten kann erhellend wirken. Sie kann aber auch dazu führen, daß lediglich die Oberfläche angestrahlt wird, der Problemkern hingegen im dunkeln bleibt. Dieses Manko offenbart sich teilweise auch in dem vorliegenden Buch. Den Autoren ist anscheinend bei der Wahl ihrer Themen viel Freiheit gelassen worden. So präsentieren sie einen schillernden Katalog von Aufsätzen, in dem Fernsehwirkung auf Kinder ebenso berücksichtigt wird wie der Einfluß des Fernsehens auf die Rassenunruhen in Amerika oder die Aufgaben des Rundfunks in Afrika in den siebziger Jahren.

Das sieht alles ein bißchen nach Sammelsurium, nach bemüht vielfältigem Angebot aus. Weniger Themen und dafür größerer Tiefgang wären gewiß mehr gewesen. Aber da die Medienforschung ein relativ unbearbeitetes Gebiet ist, sucht sich halt jeder den ihm am fruchtbarsten erscheinenden Acker aus.

Viele Steine gibt es dennoch. Bald jeder zweite der Autoren gesteht die Unvollkommenheit seiner Aussagen ein: "Ich glaube", so meint einer von ihnen, "daß auch Langzeituntersuchungen letztlich wieder die These bestätigen: So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich reagieren sie auf Druckerzeugnisse und Sendungen der Massenmedien. Denn ihre Reaktion bestimmt eine Reihe verschiedener Faktoren: Erfahrung und Bildung, soziale Situation und persönliches Interesse, psychische und physische Disposition, Einflüsse des privaten und öffentlichen Bereiches, soweit sie auf direkten zwischenmenschlichen Beziehungen beruhen."