Eine der für die Länder der Dritten Welt gefährlichsten Folgen der Ölpreiserhöhung ist die Verteuerung des Kunstdüngers. Zusammen mit der Dürre und dem Bevölkerungswachstum wird sie verantwortlich für den Hungertod vieler Millionen Menschen im nächsten Jahr sein. Agrikulturexperten haben daher die Möglichkeit untersucht, menschliche und tierische Abfälle sowie Abfallprodukte von Fabriken zu Dünger zu verarbeiten. Besonderes Interesse fand ein Pilzgeflecht, das bei der Herstellung von Antibiotika in großen Mengen entsteht und reich an Nährstoffen ist. Dieses Mycelium, so stellte sich heraus, ist ein geradezu erstaunlich guter Dünger und Bodenbildner. So ließ sich bei Getreide ein um 15 Prozent höherer Ertrag erzielen, als normale Düngung ergab. Offenbar entsteht bei der Zersetzung der organischen Bestandteile des Mycels durch die Kleinlebewesen des Bodens ein besonders hochwertiger Humus. Ähnliche Erfolge ließen sich mit Bierhefe, einem Rückstand bei der Bierbrauerei, erreichen.

Ein weiteres Abfallprodukt, aber im Gegensatz zu Mycel schon jahrzehntelang im Gebrauch, ist der Milorganite, ein, getrockneter und desinfizierter Abwasserschlamm. Er wird schon seit 1928 in Mengen von etwa 75 000 Tonnen pro Jahr hergestellt.

Nicht jeder Industrieabfall darf allerdings als Dünger verwendet werden. Ein Gehalt an Schwermetallen etwa könnte den Boden auf Jahre hinaus vergiften.

Die neuen Düngemittel können aber die Entwicklungsländer nicht im eigenen Lande herstellen. Folglich würden sie ihnen nur nützen, wenn die Transportkosten gesenkt werden können. Die aber steigen ebenfalls mit den Ölpreisen – weshalb sich für die Dritte Welt auch hier wieder ein fataler Teufelskreis schließt. Rainer Köthe