Die schon sicher geglaubten Millionen aus dem Bonner Forschungsministerium können die Töchter der Ölmultis Esso und Shell abschreiben. Bonn will keinen Pfennig zahlen. Beide Unternehmen hatten mit Steuergeld für ihre Tiefbohrforschung nach Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik gerechnet. Die Energiespezialisten des Forschungsministeriums hatten jedenfalls beide Firmen – offenbar an der Leitung des Hauses vorbei – in den Katalog der Förderungsvorhaben aufgenommen – unter den unverfänglichen Namen "Gewerkschaft Brigitta" und "Gewerkschaft Elwerath". Beide Gesellschaften gehören je zur Hälfte Esso und Shell.

Amtlich war die Subventionierung der Tiefbohrtechnik von Esso und Shell noch nicht, da sie erst im kommenden (und noch nicht verabschiedeten) Haushaltsplan vorgesehen war.Gleichwohl schreckte die Leitung des Forschungsministeriums bei der Anfrage, ob denn diese Förderung tatsächlich in der Planung steht, hoch. Der offenbar von seinen Fachbeamten nicht hinreichend informierte Minister Matthöfer reagierte prompt. Nun heißt es im Forschungsministerium kategorisch: "Kein Geld für Multis."

Der gewiß nicht als Freund multinationaler Konzerne bekannte Matthöfer hat sich damit zumindest Ärger in den eigenen Reihen erspart. Sachlich ist seine Entscheidung richtig. Im kommenden Jahr werden die Preise für Erdgas aus deutschen Quellen in Anpassung an die hohen Preise für Erdöl um 70 Prozent angehoben. Das bringt einen zusätzlichen Gewinn für die Förderer von etwa 700 Millionen Mark. Denn hier handelt es sich um Gas, das unabhängig von Einflüssen diverser Scheiche aus deutschen Landen strömt. Über 50 Prozent des gegenwärtigen deutschen Erdgasverbrauchs kommt aus heimischen Lagerstätten. Esso und Shell verfügen über rund die Hälfte der deutschen Förderung.

Bei so hohen Gewinnen, die nur dem derzeitigen Weltmarktpreis zu verdanken sind, hätte kein Steuerzahler Verständnis gezeigt für eine zusätzliche Subvention. Im übrigen ist es nicht erst die Politik dieser Regierung, multinationale Unternehmen bei der Vergabe von Forschungsmitteln links liegen zu lassen. Während beispielsweise die deutschen Elektronikfirmen bei der Computerentwicklung nach Kräften gefördert werden, hat der größte und erfahrenste dieser Branche, der Multikonzern IBM, keinen Pfennig bekommen. hff