Einer solchen Frau kann und will ich gar keinen Rat geben. Wenn ein Mensch versucht, mit Hilfe eines Hungerstreiks unmögliche Forderungen zu erzwingen und somit dokumentiert, daß er in Kauf nimmt, dabei zu verhungern, so sollte man ihn nicht daran hindern.

Annelie Graf, 19 Jahre

Wenn Ulrike Meinhof aus ihrer Idee einen "Mythos - wie es bei Che Guevara der Fall ist – machen will, würde ich ihr raten, den Hungerstreik fortzusetzen. Doch was wird erreicht durch noch mehr Märtyrer à la Meins? Für die Linken neue Heilige, für die Demokratie eine Gefahr, denn ein toter Kommunist ist in diesem Fall nicht unbedingt ein guter Kommunist, auch wenn es einige Politiker meinen.

Ulrike Meinhof geht es um mehr als nur um bessere Haftbedingungen, deshalb glaube ich auch nicht, daß sie den Hungerstreik abbrechen wird. Es wäre für sie ja eine Demütigung, sich der ihr verhaßten Gesellschaftsform beugen zu müssen. Trotzdem sollte sie es tun, denn Selbstmord ist nicht immer der letzte Ausweg undvielleicht wird sie dem Staat noch dankbar sein, daß er sie zwangsernährt hat.

Hermann Acker, 17 Jahre

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Medizinische Gründe sprechen gegen jeden Hungerstreik. Ein toter Revolutionär kann keine Revolution mehr machen. Politische Gründe sprechen jedoch für den Hungerstreik. Dazu Zitate aus dem Rotbuch 29: "Zuallererst ist es der Wille an die Revolution, der Revolutionäre macht." Und: "Umfassende Propaganda für den bewaffneten Krieg...". Die Mitglieder der RAF sind also gezwungen, den Hungerstreik fortzuführen, wollen sie nicht ihre politischen Ziele verraten. Durch Meldungen über den Hungerstreik in allen Medien gelingt es der RAF, auf sich aufmerksam zu machen. "Christliche" Meinungsmacher helfen kräftig am Aufbau des RAF-Märtyrers. Außerdem wird durch gewisse Äußerungen der Rechtsstaat BRD in Mißkredit gebracht.