DIE ZEIT

Bonn hat Maß gehalten

Der Bundestag hat mit der soeben verabschiedeten Strafprozeßnovelle seinem Namen als Gesetzgeber Ehre gemacht. Weder von der Regierung noch von der Opposition und ihrer öffentlichen Panikmache ließ sich die Parlamentsmehrheit daran hindern, erst im Rechtsausschuß und dann im Plenum durchzusetzen, was sie für angemessen und vertretbar hielt.

Gespräch mit Arafat

Die Aufregung, die der eigenwillige Gerhard Schröder durch sein Zwiegespräch mit dem Palästinenserführer Yassir Arafat in Damaskus entfacht hatte, ist wieder abgeklungen.

Worte der Woche

"Mit ihrem Versuch, sich als Gesinnungsgefangene in einer echten Tyrannei zu sehen, würdigten sie nicht nur die Sprache herab, sondern beweisen auch entweder erschreckende Arroganz oder eine totale Verkennung der Realität.

Zeitspiegel

Im Zug zum Beamtenstaat marschiert Bonn durchaus nicht unter "ferner liefen", sondern eher an der Spitze. So ist zwischen 1950 und 1974 die Zahl der Bundesbediensteten von rund 7000 auf 33 000 gestiegen.

Krösus für die Krise

Nelson Rockefeller wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Auge, nachdem er als 41. Vizepräsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden war.

Ein Sprecher liberalen Geistes

Als ich ihn das letztenmal sah, fing seine rechte Stirnader an deutlich sichtbar zu werden, aus neun Meter Entfernung. Kein gutes Zeichen.

Ein neues liberales Credo

Der elementare Wunsch nach Freiheit ist die treiben de Kraft hinter allen Freiheiten, alten und neuen. Dieser Wunsch bedarf auch kaum einer Erklärung.

Hart, diskret und undogmatisch

Die Wahl Konrad Porzners und Gerhard Jahns zu neuen Geschäftsführern der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion gehört zur Vorbereitung jener "Frühjahrsoffensive", mit der die SPD aus dem Kessel ausbrechen will, in den sie durch die politischen und wirtschaftlichen Widrigkeiten, durch schwere Wahlniederlagen, Verzagtheit und den andauernden Streit in den eigenen Reihen geraten ist.

Wolfgang Ebert: Gittes Ölprinz

"Sie meinen Arturo? Woher wissen Sie das? – Na ja, das war zwar ihre große Liebe, aber nichts fürs Leben. Mir genügte ein gründlicher Blick auf die italienische Zahlungsbilanz, um da energisch abzuraten.

Mutwille am Rand des Abgrunds

Während die Sozialdemokratische Partei wenigstens nach außen hin wieder etwas geordnet wirkt, weil sie sich in der alten Tugend der Solidarität übt, spielt die FDP mit ihrem mühsam gewonnenen Ruf der Solidität.

Wider das Geschäft mit der Angst

Mir liegt daran, etwas zu der öffentlichen Diskussion zu sagen, die in den letzten Wochen über die Terroristen Baader/Meinhof geführt worden ist – seien es nun jene, die seit 1972 gefaßt sind oder jene ihrer Nachfolger außerhalb der Haftanstalten.

Recht für die Rothaut

Ein Indianer kommt nach Hamburg. Er trägt Jeans und Cowboystiefel, seine Zöpfe sind mit hellblauem Band umwickelt und an den Zopfenden hängen braune Hermelinfelle, die der Indianer in New York gekauft hatte.

Keine reelle Chance

Mancher Richter blickt verwundert, wenn Franz Waibel, 43, mit dem Buch "Plädoyer für die Abschaffung des Strafrechts" von Arno Plack unterm Arm im Gerichtssaal erscheint.

Whitlam: Stütze für Wilson

Seltsam verkehrte Fronten kennzeichnen die britische Europadebatte. Die Antieuropäer in der Labour Party verlieren zunehmend ihre bisherige Rückendeckung im Commonwealth.

Washington: Neues Handelsgesetz

Der amerikanische Kongreß hat am Freitag mit überwältigender Mehrheit das neue Handelsgesetz verabschiedet, das Präsident Ford ermächtigt, zum erstenmal seit 1967 eine neue Runde internationaler Verhandlungen über Handels- und Zollerleichterungen zu beginnen.

Rudolf Heß: Weihnachten allein

Die Direktoren des alliierten Gefängnisses in Westberlin-Spandau, in dem als einziger Häftling der 80 Jahre alte Rudolf Heß eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verbüßt, haben den Antrag seiner Frau Ilse auf Genehmigung eines längeren Weihnachtsbesuches abgelehnt.

Strafprozeßrecht verschärft

Die bevorstehenden Prozesse gegen die wichtigsten Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe sind durch Änderung des Strafverfahrensrechtes besser abgesichert worden.

Hessen: Osswald bestätigt

Der hessische Ministerpräsident Albert Osswald (SPD) wurde am Mittwoch vergangener Woche vom neuen Wiesbadener Landtag in seinem Amt bestätigt.

Streitaxt in der Friedensstadt

Also so geht es auch nicht. Da kommen an die dreihundert Schriftsteller aus dreißig Ländern eine Woche lang zum 39. Internationalen PEN-Kongreß in Jerusalem zusammen, der wiedervereinigten Hauptstadt des unter Bombenterror leidenden, von den Spannungen zwischen Arabern und Juden zerrissenen Landes Israel – und es gibt keine Diskussion, keinen Streit, keine literarische oder literaturpolitische Auseinandersetzung.

Schallplatte

Ihr Tod, am 7. Dezember 1960 nach einem Unfall, bedeutete das Ende von fünfzig Jahren nahezu unumstrittener Dominanz in einem Bereich der Klaviermusik: der subtilen und niemals sich aufdrängenden, ebenso sehr auf Schönheit wie Leichtigkeit, auf Konzentration und Beseeltheit bedachten, zwar technisch perfekten, aber keineswegs vordergründig virtuosen Interpretation, vor allem in den eher intimen und introvertierten Stücken von Mozart und Beethoven, Chopin und Schumann, Brahms und Ravel.

Identität – verlorenes Paradies

Identität ist gefragt. Das menschheitsalte "Wer bin ich? Wer sind wir?" hat in der Moderne die Tonart gewechselt. Proust heute würde seine Recherche womöglich eine nach der identité perdue nennen.

Kunstkalender

Geplant und angekündigt war ein Beitrag zum Thema Informel, "Zur Gestalt des Unbewußten", nachdem Leverkusen und Wuppertal andere Aspekte des Informel untersucht hatten.

Recht auf Trauer

Unwahrscheinlich" nennt Christa Wolf, 1929 in Landsberg/Warthe geboren, im Untertitel ihr fünftes Buch nach den beiden Romanen "Der geteilte Himmel" (1963), "Nachdenken über Christa T.

Gott am Flaschenzug

Man sitzt, nicht eben bequem, vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit im Amphitheater unter freiem Himmel, über Mittag in glühender Hitze, einer unter fünfzehn tausend Zuschauern.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Hans-Georg Rauch, 1939 in Berlin geboren, durch Ausstellungen und Arbeiten für international angesehene Zeitschriften bekannt geworden, hat nach "Rauchzeichen" (Nebelspalter Verlag, Rorschach) und "Dessin à regarder de près" (Denoël, Paris) einen neuen Band mit Zeichnungen veröffentlicht: "Die schweigende Mehrheit" (Rowohlt Verlag, Reinbek, 1974; 100 S.

Mit fieberrotem Kopf

Einem Zeitungsabonnenten wird das Blatt seiner Wahl in den Jahren der Gewöhnung leicht zum Herzblatt, von dem er nur ungern läßt.

Augen aus einem fremden Land

Alexander Kluges Bücher wirken wie eine Masse stenographischer Notizen, Skizzen, Vorstudien zu einem Werk, das zu schreiben ihm die Geduld fehlte: beispiellos in ihrer Realitätsversessenheit, in ihrer Neugier auf unsere kollektive Gegenwart, auf die Schwankungen des Einzelnen in den Böen der Zeitgeschichte.

Filmtips

Im Jahre 11 nach Dr. No ist James Bond nur noch eine blasse Imitation seiner selbst. Ebenso aufwendig wie einfallsarm führt Hamilton touristische Attraktionen aus dem Fernen Osten vor.

Fernsehen: An vielen Fronten

Der Obertitel war richtig. Sechs Männer (eine Frau, wie üblich, nicht dabei) traten auf, die allesamt einem deutschen Staatswesen entstammten, das man hierzulande, mit einem feinen Sinn für Rangunterschiede, entweder das zweite oder das andere nennt.

Prügelknaben

Solange die Benzin- und Heizölpreise sinken, sieht niemand den Wettbewerb gefährdet, selbst wenn dies bei allen großen Mineralölgesellschaften mehr oder weniger im Gleichschritt geschieht.

Europäische Energiepolitik: Die Krämer von Brüssel

Mit zwei Entschließungen, zwei Verordnungen und einer Richtlinie, die der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft in der vergangenen Woche verabschiedete, ist in die festgefahrene Energiepolitik der EG wieder Bewegung gekommen.

Gestrichen

Die schon sicher geglaubten Millionen aus dem Bonner Forschungsministerium können die Töchter der Ölmultis Esso und Shell abschreiben.

In Nöten

Kurz vor Weihnachten ist in Nürnberg ein Unternehmen, dessen Produkte seit sechs Jahrzehnten junge Herzen unter dem Christbaum höher schlagen ließen, in eine schwere Existenzkrise geraten.

Viele Köche verdarben den Brei

Vier Finanzminister haben sich an der Steuerreform, die zum 1. Januar 1975 in Kraft tritt, versucht. Bei Alex Möller stand sie noch als "Jahrhundertwerk" hoch im Kurs.

VW frißt seine Manager

Das Gerücht war so alt, daß es dann, als es Hand und Fuß bekam, so recht niemand mehr glauben wollte. So betrachtet, muß es als Überraschung gelten: Rudolf Leiding, Chef des größten deutschen Autoherstellers, des Volkswagenwerks, hat die Waffen gestreckt.

Dividende von den Töchtern

Der Abschluß der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, Augsburg, für 1973/74 (30. 6.) demonstriert nachdrücklich, daß eine solide und vorsichtige Finanzpolitik in härteren Zeiten ihre Früchte trägt.

Nutznießer der Öldollar

An der Börse wird geschätzt, daß in den vergangenen Monaten Ölförderländer für zwei bis drei Milliarden Mark deutsche Aktien erworben haben.

Arbeitslos, ohne Arbeitslust

Ein Unternehmer – holzverarbeitende Industrie, mittelständischer Familienbetrieb – sucht dringend Leute. Der Fall scheint einfach, denn er sucht keinen hochqualifizierten Facharbeiter, sondern jemanden, der angelernt werden kann.

Bonn zahlt für kranke Studiker

Für rund 320 000 deutsche Studenten brachte der Weihnachtsmann eine langersehnte Erleichterung. In aller Eile haben die Bonner Koalitionsfraktionen einen Gesetzentwurf im Bundestag eingebracht, der sämtliche bestehenden Ungereimtheiten in der studentischen Krankenversicherung beseitigen soll.

Seid nett zu Berlin

Zwei Gefahren drohten der Berlin-Konferenz, zu der Bundeskanzler Helmut Schmidt sowie führende Unternehmer, Bankiers, Gewerkschaftler und Politiker nach West-Berlin eingeladen wurden.

Nichts als leere Versprechen

Gleich an zwei aufeinanderfolgenden Kabinettssitzungen haben sich die freidemokratischen Junior-Partner der Bonner Regierungskoalition für den gewerblichen Mittelstand stark gemacht.

Flaute - ein Fremdwort

Mit einer knappen Notiz für die Presse ließ es das mächtige Kartell bewenden: "Mit Wirkung vom 13. Januar 1975 werden die von der Central Selling Organisation (CSO) angebotenen Rohdiamanten je nach Qualität und Größe bis zu zehn Prozent teurer.

Die heimliche Währung

Politiker und namhafte Wirtschaftler des Westens nannten es noch vor Monaten "grotesk" und "absurd". Doch seit Ende vergangener Woche ist es in den Bereich des Möglichen gerückt: Auf internationalem Parkett werden die Umrisse einer heimlichen Goldwährung sichtbar.

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