Düsseldorf: "Surrealität – Bildrealität 1924–1974"

Geplant und angekündigt war ein Beitrag zum Thema Informel, "Zur Gestalt des Unbewußten", nachdem Leverkusen und Wuppertal andere Aspekte des Informel untersucht hatten. Die Düsseldorfer wollten das Thema historisch angehen und gerieten bei der Suche nach der Herkunft des Informel in die Surrealität. Damit erhält das Informel allerdings einen anderen kunsthistorischen Stellenwert als in den beiden vorangegangenen Ausstellungen. Es wird nicht mehr als der erste europäische Nachkriegsstil verstanden, als künstlerische Reaktion auf Freiheitsentzug und Katastrophe, sondern als die temporäre Wiederkehr von Vorstellungen, die sich im Surrealismus artikuliert hatten und die mit dem Informel der fünfziger Jahre nicht zu Ende gehen, die sich bis in die Gegenwart fortsetzen. Rund 400 Bilder und Zeichnungen von 50 Künstlern dokumentieren diesen Zusammenhang, der einen Zeitraum von 50 Jahren übergreift, von 1924, dem Jahr des ersten surrealistischen Manifestes, bis 1974. Damit wird die Sicht auf den Surrealismus allerdings eingeschränkt. Die Auswahl geschieht nach Kriterien, die aus dem Informel gewonnen werden. Nicht Magritte, der sich von psychischem Automatismus und entsprechenden Verfahrensweisen immer distanziert hat, sondern, beispielsweise Masson, der mit einer exzellenten Kollektion vorgestellt wird. Die Ausstellung bringt auch einiges Unbekannte ans Licht, darunter Klaphecks surrealistische Serie "Die Liebenden" (Städtische Kunsthalle bis zum 2. Februar, Katalog später).

Krefeld: "Robert Rauschenberg – Steinerner Mond"

Rauschenbergs Zyklus über die erste Mondlandung, angeregt durch die Nasa, die einige amerikanische Künstler nach Cap Kennedy eingeladen hatte, ist ein glänzendes Beispiel für die Möglichkeit, Historienmalerei zu aktualisieren. Sein Combine-Prinzip geht hier weit über das Technische hinaus, wird zu einer notwendigen Methode, Fakten und Vorstellungen aus der Gegenwart und Vergangenheit zu synchronisieren. Astronomische Meßinstrumente des 16. Jahrhunderts werden eingeblendet in Photos von der abhebenden Rakete. Unter der Leonardo-Studie des Fliegenden Menschen sieht man Astronauten im silbrigen Schutzanzug. Rauschenbergs Einstellung zu dem Ereignis beschränkt sich nicht auf unkritische Bewunderung, es wird auch eine Skepsis erkennbar, die den Fortschrittsoptimismus relativiert. (Museum Haus Lange bis zum 19. Januar, Katalog später). Gottfried Sello

München: "Das Holz in der rumänischen Volkskunst"

Teile bäuerlicher Architektur: geschnitzte Türen, Fensterrahmen und Haussäulen, häusliche Gebrauchsgegenstände, Arbeitsgeräte, Spinnwerkzeuge, Brauchtumsgegenstände – für Verächter der Volkskunst ein Alptraum, für ihre Liebhaber eine Augenweide. Die Objekte, ausgeliehen von rumänischen Volkskundemuseen, stammen zu einem geringen Teil noch aus unserem Jahrhundert. Sie bestätigen, wieder einmal, die traurige Wahrheit, daß bäuerliche Handarbeit in der Formgestaltung der industriellen Produktion weit überlegen ist: Bei diesen Gegenständen handelt es sich durchwegs um funktionsgerechten, ästhetisch befriedigenden Design. Das Werk des großen rumänischen Bildhauers Constantin Brancusi wurzelt in dieser Volkskunst, seine "Säule ohne Ende" etwa, aufgestellt in Tirgu-Jiu (Rumänien), ist eine Monumentalisierung der bäuerlichen Haus- oder Grabsäule – darauf hinzuweisen, haben die Veranstalter leider vergessen. (Stadtmuseum bis 26. Januar 1975, Katalog 19,80 Mark Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen: