Eine Wüstentour durch Israel – Abenteuer inklusive

Von Nina Grunenberg

Zwischen dem Briefpapier und den Sicherheitsvorschriften, die den EL-AL-Passagieren auf dem Flug nach Tel Aviv überreicht wurden, steckten ein Angebot und ein Gebet. In dem Angebot wurden Eigenheime und Eigentumswohnungen in Israel als Kapitalanlage empfohlen mit dem Hinweis: "Dank der Sonne und dem Meer und der Mentalität seiner Menschen ist ganz Israel gewissermaßen ein Ferienparadies."

Die Nützlichkeit des Gebets lag auf der Hand: "Möge es Dein Wille sein, o Herr unser Gott, uns ein Leben in Frieden zu gewähren, unsere Schritte auf den Weg zum Frieden zu lenken und uns in Frieden zu erhalten ...". Das hatte Sinn und fiel mir zwei Tage später wieder ein, als wir in einer zweimotorigen Sportmaschine in Bodennähe entlang der jordanischen Grenze nach Süden flogen, zum Katharinenkloster am Berge Sinai.

Unser Pilot hieß Itamar und war ein lebhafter, drahtiger Typ in Hemdsärmeln. Sobald wir in der Luft waren, schmiß er die Bordverpflegung – für jeden einen Beutel mit Bonbons und Kaugummi – über die Schulter hinter sich, den Passagieren in den Schoß, und flog dann so schnurgerade über der Straße, die die Grenze markierte, daß manches Hasenherz anfing zu pochen. Als jemand aufgeregt fragte, ob Jordanien nicht schon längst unter uns läge, antwortete Itamar: "Erst wo das Grüne aufhört und die Landschaft anfängt grau zu werden." Diese mit Naturburschencharme gemischte Unverfrorenheit scheint ihre Wirkung auf Touristen selten zu verfehlen. Mit kalkuliertem Entsetzen Scherz zu treiben, gehört zum Geschäft und zahlt sich aus. Unter Israelis werden die Sportmaschinen der Chartergesellschaft Kanaf/Arkia deshalb auch "moneymaker" genannt.

Geld muß man haben

Über Sicherheitsprobleme, die eine Reise in ihr Land aufwerfen kann, ist mit Israelis nur mühsam zu reden. Sie hören gar nicht erst hin. Dem Greenhorn drängen sich Fragen dennoch auf. So soll beispielsweise in Eilat am Roten Meer – eine Stadt, die aussieht, als wäre sie über Nacht in die Wüste geknallt worden – der Tourismus wieder auf Touren gebracht werden. Es gibt dort einige Luxushotels mit vier und fünf Sternen (viele davon kommen auf das Konto von deutschen Abschreibungsgesellschaften), eine Tauchschule und Ausflugsarrangements zum Baden und in die Wüste. Hier muß man Geld haben, und nichts stimmte die Israelis heiterer als die Nachricht, daß die genügsamen Hippies, die sich Eilat als Station auf dem Weg nach Fernost erkoren hatten, endlich verschwunden sind. Ich will auch nicht davon sprechen, daß der Golf von Eilat (früher Golf von Akaba) mit seinem warmen, ruhigen Wasser als Kinderstube der Haie gilt, ehe sie ins Rote Meer und den Indischen Ozean ausschwärmen: Ich selber habe nur einen toten Hammerhai am Strand liegen sehen, der allerdings schon einen recht ausgewachsenen Eindruck machte.