Portugal trennt sich nun doch von den Kapverdischen Inseln – ungeachtet ihrer strategischen und maritimen Bedeutung im mittleren Atlantik. Die Inselgruppe, sechshundert Kilometer westlich von Dakar, wird am 5. Juli kommenden Jahres unabhängig. Dies kündigte der portugiesische Überseeminister Almeida Santo am Mittwoch voriger Woche in Lissabon an.

Einige Tage vor dem Termin, am 30. Juni 1975, wird eine verfassunggebende Versammlung gewählt. Ihr bleibt überlassen, den künftigen politischen Weg der Kapverden zu bestimmen. Sie könnten die politische Selbständigkeit wählen oder aber eine Art Union mit Guinea-Bissau bilden, das im September dieses Jahres aus portugiesischer Vormundschaft entlassen worden ist.

Ein entschiedener Befürworter eines Zusammengehens ist die "Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit Guineas und der Kapverdischen Inseln" (PAIGC). Sie hatte in jahrelangem Guerillakampf die Freigabe Guinea-Bissau vorbereitet. Ihre Führer stammen vorwiegend von den Kapverden. Sie beanspruchten immer, den Archipel im fernen Nordwesten politisch mitzuvertreten, doch hatte die Aufstandsbewegung nie vom Festland auf die Inseln übergegriffen. Auch hat Lissabons Überseepolitik stets zwischen beiden Territorien unterschieden.

Bis zur Unabhängigkeit wird die Inselgruppe von einer gemischtrassigen Übergangsregierung geführt – nach dem Vorbild Mocambiques. Zwei Minister ernennt der portugiesische Staatspräsident, drei die PAIGC. Portugal wird durch den neuernannten Hochkommissar Commodore Almeida d’Eca vertreten.

Durch die Beteiligung der PAIGC könnte eine Vorentscheidung für den späteren "Anschluß" der Inseln gefallen sein. Wirtschaftlich gesehen, würden sich beide Gebiete ergänzen. Bissau mit seinen 550 000 Einwohnern und weithin unfruchtbaren, sumpfigen Landstrecken würde seine begrenzte ökonomische Basis (Viehzucht, Edelhölzer, Erdnüsse) gern durch die atlantischen Eilande – 250 000 Einwohner, Export von Kaffee und Zitrusfrüchten – abstützen.

Auch im übrigen Westafrika wird die fünfhundertjährige portugiesische Herrschaft Stück für Stück abgebaut. In einem in Algier geschlossenen Abkommen hat Portugal auch für seine Inseln Sao Tomé und Principe im Golf von Guinea einer Übergangsregierung zugestimmt. Die fünf Minister werden von der "Befreiungsbewegung für Sao Thome und Principe" (MLSTP) gestellt. Der Tag der Unabhängigkeit soll der 12. Juli 1975 sein.

Indessen werden Verhandlungen zwischen der portugiesischen Regierung und den drei Befreiungsbewegungen von Angola diplomatisch vorbereitet. Die drei Gruppen MPLA, Unitá und FNLA, die bisher, miteinander rivalisierten, sind übereingekommen, eine gemeinsame Plattform auszuarbeiten. Auch hier ist von schwarzafrikanischer Seite vorgesehen, nach dem Muster der anderen portugiesischen Überseegebiete, die noch nicht unabhängig sind, eine Übergangsregierung zu bilden, die das Land bis zur endgültigen Souveränität regieren soll.