Hans-Georg Rauch, 1939 in Berlin geboren, durch Ausstellungen und Arbeiten für international angesehene Zeitschriften bekannt geworden, hat nach "Rauchzeichen" (Nebelspalter Verlag, Rorschach) und "Dessin à regarder de près" (Denoël, Paris) einen neuen Band mit Zeichnungen veröffentlicht: "Die schweigende Mehrheit" (Rowohlt Verlag, Reinbek, 1974; 100 S., 84 Zeichnungen, 42,– DM). Man versteht, daß er seine hintersinnigen Stricheleien Ronald Searle widmet: Mit kleinsten Effekten der Verfremdung – wie hier dem goldgeprägten Reichsadler, der mehr Liebe weckt als ein flötender Kanarienvogel und die Dame in Andachtshaltung nicht vor das Konterfei eines Mannes, sondern vor Mammon persönlich zwingt – erreicht Hans-Georg Rauch seine Kritik von Zeit und Gesellschaft. – Den phantastischen Illustrator grotesker Erzählungen präsentiert der Band Mark Twain: "1601 oder Gespräch am Geselligen Kamin, wie es zur Zeit der Tudors war", deutsch und englisch, in der Übersetzung von Thomas Ayck, mit drei Originalradierungen von H.-G. Rauch (Merlin Verlag, Hamburg, 1974; 40 S., 29 × 34 cm, 300 numerierte und signierte Exemplare, 350,– DM). Für die satirisch respektlose Erzählung des Amerikaners, der sich in die letzten Jahre der Regierungszeit der alten Queen Elizabeth versetzt und in deren Gemächern ziemlich freizügig reden und handeln läßt, hat Rauch in seinen Blättern, mit abbröckelnden Fassaden, berstenden Säulen und Mauern, die sich auflösen in Spinnengewebe, das entsprechende Arsenal frecher graphischeer Dekadenz entwickelt.