Die Direktoren des alliierten Gefängnisses in Westberlin-Spandau, in dem als einziger Häftling der 80 Jahre alte Rudolf Heß eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verbüßt, haben den Antrag seiner Frau Ilse auf Genehmigung eines längeren Weihnachtsbesuches abgelehnt.

Ilse Heß hatte Ende November in einem Brief an das alliierte Militärgefängnis geschrieben:

"Weihnachten 1974 sind 33 Jahre, sieben Monate und 14 Tage vergangen, seit mein Mann nach England flog. Seit diesem Tag habe ich kein privates Gespräch mit meinem Mann führen können. Mein Mann ist heute über 80 Jahre alt, und mit der Möglichkeit, daß die Natur ein Ende setzt, ist jederzeit zu rechnen. Ich beantrage deswegen, an beiden Feiertagen von morgens neun Uhr bis nachmittags 17 Uhr meinen Mann im alliierten Militärgefängnis besuchen zu dürfen und die vorgenannte Zeit ohne Zuhörer mit ihm verbringen zu können. Ich glaube, daß meiner Bitte angesichts der oben geschilderten Umstände von keinem menschlich Denkenden die Zustimmung versagt werden kann."

Die "Hilfsgemeinschaft Freiheit für Rudolf Heß" warf den Alliierten am Freitag "Unmenschlichkeit und barbarische Isolationshaft" vor.