DIE ZEIT

Strauß vor den Toren?

Der Bundeskanzler, so scheint es, geht davon aus, daß die CDU/CSU sich entschließen wird, Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidaten ins Wahlgefecht zu schicken.

Poltern statt Politik

In parlamentarischen Demokratien leben Parteien und Politiker davon, daß sie besser sind als die Konkurrenz oder wenigstens diesen Eindruck erwecken.

Unternehmen Mottenburg

Mit einem Sonderheft leitet das ZEIT-, magazin diese Woche eine städtebauliche Veröffentlichungsreihe ein. Von der ZEIT angeregt, haben sich sechs engagierte Architektenteams, eine gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau und der Hamburger Senat zu einer Aktionsgemeinschaft zusammengeschlossen: Ein altes Quartier soll aufgemöbelt werden.

Die Zeitbomben ticken schon

Nicht einmal annäherungsweise läßt sich analysieren, wohin die Reise geht. Wirtschafts- und währungspolitische Probleme nie dagewesener Art und nicht für möglich gehaltener Größenordnung türmen sich vor uns auf.

Mehr als der erste Minister in Paris

Wenn die Franzosen den Mann des Jahres 1974 wählen müßten, dann hätte Jacques Chirac nur eine Außenseiterchance, Doch Frankreichs forscher Premierminister ist ohne Zweifel einer der Franzosen, die in den letzten Wochen und Monaten am meisten von sich reden machten.

Hartes Leben im gelobten Land

Die dunkelhaarige Hannah aus Wilna muß in ihrer Jugend eine Schönheit gewesen sein. Diese Mitgift der Natur zu zerstören, reichten sechzehn Jahre Verbannung in Sibirien nicht aus.

Muskel auf Papier

Wie stark ist die Bundeswehr: 495 000 oder 465 000 Mann? In den letzten Tagen des alten Jahres hat es darüber eine kuriose öffentliche Debatte gegeben.

Presse unter Druck

Die Presse befindet sich in einem Kampf um das Überleben", stellt das Züricher. Internationale Presse-Institut in einer Jahresbilanz fest.

Gescheiterter CDU-Boykott

Verfassungsschutz, Polizei und Gerichte blieben untätig, obgleich die Welt von Hochverrat zu berichten wußte: Drei Tage vor Weihnachten habe der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Martin Neuffer, im Funkhaus an der Hamburger Rothenbaumchaussee einen "Putschversuch" unternommen.

Moskaus Kampf um Europa

Achtundzwanzig kommunistische Parteien Europas trafen sich kurz vor Weihnachten zur Vorbereitung der für nächsten Sommer nach Ostberlin einberufenen europäischen Kommunistenkonferenz; es fehlten Albanien, Island und die Niederlande.

Frischer Wind auf dem Kapitol

Einen solchen Anfängerkurs hatte die Harvard-Universität noch nicht gesehen: Zwölf neugewählte Kongreßabgeordnete – acht Demokraten und vier Republikaner – ließen sich während der Adventswochen im Institut für Politik, einem Ableger der Kennedy School, von berühmten Professoren in Probleme der Wirtschaft, des Finanzwesens, der Verfassung und der Außenpolitik einführen.

Die Demokratie der Individuen

"Der Studierende, welcher sich die ersehnte Muße und Zurückgezogenheit sichert, indem er sich von jeder dem Menschen notwendigen Arbeit drückt, erwirbt nur eine unedle, uneinträgliche Muße, indem er sich um die Erfahrung bringt, welche allein die Muße fruchtbringend gestaltet.

Erzieher und Rebell

"Adolf Reichwein – Ein Lebensbild in Briefen und Dokumenten"; ausgewählt von Rosemarie Reichwein und Hans Bohnenkamp. Herausgegeben und kommentiert von Ursula Schulz; Gotthold Müller Verlag, München 1974; 375 S.

Szenenwechsel auf der Weltbühne

1974 war ein Jahr der großen Wachablösung. Von den neun wichtigsten Führungswechseln beruht nur einer auf Neuwahlen (Großbritannien), in drei Ländern waren innenpolitische Skandale und Erschütterungen maßgebend (Vereinigte Staaten, Bundesrepublik, Japan); einmal war es der Tod des Präsidenten (Frankreich), einmal Alter und Resignation (Israel).

Krisenherde des Jahres 1974

Den räumlich begrenzten Konflikten des Jahres stehen tiefergreifende Krisen gegenüber, die geographisch nicht so eindeutig zu fixieren sind und zeitlich weit über das vergangene Jahr hinaus in die Zukunft weisen: Energiemangel und Hunger.

Bundesrepublik: Wählertrend nach rechts

Die Bundesrepublik stand 1974 unter dem Primat der Innenpolitik. Dafür sorgten zunehmende Geldentwertung, steigende Arbeitslosenzahlen, der Spionagefall Guillaume, neuaufgelebter anarchistischer Terror und nicht zuletzt die Tendenzwende in der Wählergunst.

Portugal – Griechenland: Zurück zur Demokratie

Kein anderes Ereignis hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung in Afrika derart beeinflußt wie der April-Umsturz in Portugal und, damit zusammenhängend, der Zusammenbruch der jahrhundertelangen portugiesischen Kolonialherrschaft.

Schuß gegen Schule

Ich bin empört", schimpfte Bürgermeister Jakob Munn (CSU) aus der idyllisch am Starnberger See gelegenen 2095-Personen-Gemeinde Höhenrain.

Ulmer Hochschulrektor trat aus Protest zurück: Den Geldhahn zugedreht

Nach vierjähriger Amtszeit ist der Rektor der Universität Ulm, Professor Helmut Baitsch, zurückgetreten. Anlaß dafür waren die Etatberatungen im Landtag, wo man Mittel für den weiteren Ausbau der im Jahr 1967 gegründeten medizinisch-naturwissenschaftlichen Hochschule vorläufig gestrichen hatte.

Privileg für Beamte?

Vorurteile und hohe Aktenberge erschweren die Fortbildung im öffentlichen Dienst

Pioniertat für den Politikunterricht

Vergleicht man die Fassungen von 1973 und 1974, so zeigen sich charakteristische Unterschiede. Die Neufassung nennt "politische Ordnungen", sie betont demokratische Regeln, Kompromißbereitschaft, Toleranz.

Romy und ihr irrer Typ

Wenn denn 1974 das Jahr der Tendenzwende, des Wind Wechsels war, wird es der Geschichte manches Donnerwort hinterlassen. Fragte man mich nach dem Wort des Jahres, so würde ich ein ganz unscheinbares vor der Vergeßlichkeit bewahren wollen.

Parlamentarisches Nachspiel zum "Deutschen Monat" des Goethe-Instituts in London: Hoch die Kunst! Doch Bilder ab?

Das klang ganz schön im Stil des Hohen Hauses, was der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Karl Moersch, in der 139. Sitzung des Deutschen Bundestages auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Dieter Lattmann zur auswärtigen Kulturpolitik wissen ließ und was jetzt im Sitzungsprotokoll nachzulesen ist: "Was nun den Kunstbegriff selbst betrifft, Herr Abgeordneter, den Sie ja sicherlich genauso wie ich hochhalten .

Zeitmosaik

Zu den erfreulichen Perspektiven gehört die Aussicht auf eine Normalisierung des geistigen Lebens in der Bundesrepublik, auf eine Auflösung der linken Diktatur in Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, in Rundfunksendern, Kunstvereinen und Theaterdramaturgien.

Verbürgte Ungewißheiten

Der Botschafter der Bundesrepublik in Rumänien wird am 7. Januar sechzig Jahre alt. Ein – in gebotenen Grenzen – bemerkenswertes Ereignis.

"Qualifikationen" - die Ziele für den Politikunterricht

1. Fähigkeit und Bereitschaft, gesellschaftliche Zwänge und Herrschaftsverhältnisse nicht ungeprüft hinzunehmen, sondern sie auf ihre Zwecke und Notwendigkeiten hin zu befragen und die ihnen zugrunde liegenden Interessen, Normen und Wertvorstellungen kritisch zu überprüfen.

Strandgut der Tage

Nein, ich bin nicht verbittert, im Gegenteil, ich bin glücklich. Soweit das eine einzelne Welle, eine Süßwasserwelle, inmitten der salzigen Wogen des Meeres zu sein vermag.

Die neue Schallplatte

Den Titel "Tagebuch" und das blaue Plattentaschengemälde von einer stillen See unter einem irritierend bewölkten Himmel legt man, ehe einen die Identitätserwägungen zum Inhalt ins Poesiealbum verschlagen, am besten beiseite und hört dem amerikanischen Jazzgitarristen (und -pianisten und Gongschläger) gleich zu.

Die nekrophile Gesellschaft

Erich Fromm entdeckt die Liebe zum Tod als geheimen Grundsatz unserer Zivilisation und beschwört die Liebe zum Leben. Er zeichnet das düstere Bild einer Welt, in der Destruktivität überhand nimmt, und bekennt sich zur ungeduldig aktiven Hoffnung auf eine bessere Welt, in der kein Mensch mehr den anderen bedroht: "Echte Freiheit und Unabhängigkeit und das Ende aller Formen ausbeuterischer Herrschaft könnten die Liebe zum Leben wirksam werden lassen, jene Kraft, die allein die Liebe zum Tod besiegen kann.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Otto-Heinrich Kühner: "Der Freiheit eine Allee – Neue Pummerer-Verse." Nach "Pummerer" und "Narrensicher" legt Otto-Heinrich Kühner den dritten Band seiner heiter-skurrilen Lyrik vor, die seit Jahren in deutschen Zeitungen erscheint, auch in der ZEIT.

ZEIT-Kritik

Robert Neumann schrieb die Geschichte der "Children of Vienna" unmittelbar nach dem Krieg "in einer Sprache, die Ausländer für Englisch hielten".

Bundesdeutsche Sportbilanz ’74: Von sehr gut bis ungenügend

Kein Zweifel – während der "Jedermann-Sport", die Sportliche Betätigung von Millionen von Bundesbürgern in Freizeit und Urlaub –, Sport als Spaß, Unterhaltung, Entspannung, Begegnung von Mensch zu Mensch und so weiter – im Jahre 1974 enorm an Boden gewonnen hat, sind für den Hochleistungssport Gefahren aller Art heraufgezogen.

Pessimistische Komödie

Das Ewigweibliche zieht uns hinan, auf der Bühne auch zur Revolution. "Die Mutter" heißt das bekannteste Agitationsstück für revolutionäres Verhalten, von Brecht (1930/32), nach Maxim Gorkis gleichnamigem Roman (1907).

Altmännersommer

Sechs alte Herren. Der eine möchte seine Frau loswerden, der andere möchte sie wiederbekommen. Der eine träumt von Mord und Strychnin und einer Beerdigung der verhaßten Gattin bei Händel-Musik; dem anderen geht’s um subtilere Rache: Der gestern noch Hahnrei war, will heute seinem Gegenspieler seinerseits die Hörner aufsetzen.

Der kaputte Schwierige

Zwischen "Zauberflöte" und repetierter Fußballweltmeisterschaft, "Erzherzogstrio" und "Tatort", Peter Steins Labiche-Inszenierung und Jayne Mansfield in "The girl can’t help it", inmitten eines frech und phantasievoll gemixten Fernsehprogramms also Hugo von Hofmannsthals "Der Schwierige", ein schönstes Versprechen.

Filmtips

Was für ein glückliches Ende: wenn die schöne Mama (Edna Purviance), der zerlumpte Pflegevater (Chaplin) und das Kind (Jackie Coogan) endlich zueinandergefunden haben.

Abbruchreif?

Dieser Tage legten Venedigs Justizbehörden eine einigermaßen absonderliche Klage zu den Akten: Die Stadt Venedig warf der Institution "Biennale" vor, die historischen "Magazzini del Sale", Venedigs Salzspeicher im Sestiere Dorsoduro am Giudecca-Kanal, etwa gegenüber Palladios Kirche "del Redentore", baulich verändert zu haben.

Angst vor dem großen Knall

Zum Jahresbeginn bemühen sich die Börsenexperten der deutschen Kreditinstitute darum, Optimismus auszustrahlen: Sowohl für die Aktien- als auch für die Rentenkurse sehen sie 1975 eine hellere Zukunft voraus.

Die Faust im Nacken

Das neue Jahr ist mit einer schweren wirtschaftlichen und sozialen Hypothek belastet. Seit achtzehn Jahren war die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik nicht mehr so hoch wie heute.

Jeder plant für sich allein

Der Staat ist schuld an der Landflucht – zumindest teilweise. Denn offenbar weiß seine linke Hand nicht, was die rechte tut: Einerseits locken Bund und Länder mit Milliardenbeträgen Industriebetriebe aufs flache Land; andererseits werden durch Stillegungen von Bahnstrecken und Oberpostdirektionen die Standortvorteile von Landgemeinden beschnitten.

Ungeheuer beeindruckend

Die Bundespost wird dieses Jahr mit einem Defizit von 1,2 Milliarden Mark abschließen müssen – da fallen die 180 000 Mark, die sie für schnieke Farbbeilagen in der "Welt" und in der "Süddeutschen Zeitung" sowie für eine zweiseitige Schwarzweiß-Werbung in der FAZ ausgegeben hat, kaum mehr ins Gewicht.

Panne in Wolfsburg

Für das VW-Werk hat sich in wenigen Monaten einiges verändert, auch im Aufsichtsrat. Seit Hans Birnbaum da den Vorsitz führt und der neue hannoversche Wirtschaftsminister Erich Küpker für Helmut Greulich eingerückt ist, werden die hausspezifischen Probleme – einschließlich der gelegentlich unseligen politischen Einflüsse auf das Unternehmen – schärfer erkannt und erfreulich klar ausgesprochen.

Kriminell

Wer die Angebote der – Vermögensberater genauer unter die Lupe nimmt und Bilanz zieht, wird feststellen: Ein Drittel davon ist ernsthaft erwägenswert, ein Drittel, gehört in den Papierkorb und das dritte Drittel in die Hände der Staatsanwaltschaft.

Kampf gegen Gauner und Bankrotteure

Einer Gruppe von Kriminellen, die bislang mit Erfolg Aussicht hatte, bei ihren Taten unentdeckt und straffrei zu bleiben, soll es nun endlich an den Kragen gehen – an ihren bislang weißen Kragen.

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