Entwickelt ist sie schon seit geraumer Zeit, die empfängnisverhütende "Ein-Jahres-Pille" – eine kleine Kapsel, die meist in eine Hautfalte des weiblichen Körpers eingeplanzt wird und durch deren spezielle Wandung ständig minimale Hormonmengen austreten.

Relativ wenig Frauen allerdings haben sich bislang für diesen Langzeitempfängnisschutz entschieden. Denn trotz erwiesener Vorteile (die benötigte Gesamthormonmenge, um einen sicheren Empfängnisschutz zu gewährleisten, ist geringer als bei der täglichen Pillen-Dosis, und ein "Vergessen" ist unmöglich) ist die "Anti-Baby-Kapsel" nicht ganz so problemlos wie das orale Kontrazeptiv, das bei Bedarf, wenn es beispielsweise zu Venenerkrankungen kommen sollte, sofort abgesetzt werden kann. Häufig gibt es bei der Kapsel aber auch so unerwünschte Nebenerscheinungen wie schmerzhafte Entzündungen an der Implantationsstelle.

Überdies ist ein zweiter Eingriff notwendig, um die Plastikkapsel wieder zu entfernen, wenn die Hormonfüllung zur Neige geht und ein neues Hormon-Depot eingesetzt werden soll.

Ein amerikanisches Forscherteam am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (US-Staat Massachusetts) hat nun ein Kapselmaterial entwickelt, das aus zwei Substanzen besteht, die mit im Körper natürlicherweise vorhandenen Stoffen eng verwandt sind. Wichtigster Vorteil des neuen Materials: Die Kapsel löst sich nach einer genau berechenbaren Zeit auf und wird vom Körper absorbiert, ähnlich dem Material, das Chirurgen bei bestimmten Operationen im Körperinneren verwenden.

Fünf Zentimeter lang und etwa anderthalb Millimeter dick sind die Kapseln, die das MIT-Team unter Leitung des Ernährungspathologen Dr. Paul Newberne entwickelten und im Tierversuch (bei Ratten und Hunden) während der letzten Monate mit einer hundertprozentigen Erfolgsquote erprobten. In drei Jahren etwa, so glauben die Forscher, könnten die ersten Langzeittests bei Frauen beginnen – vorausgesetzt, die bis dahin geplanten Tierversuche, vor allem mit Affen, verlaufen ebenso erfolgreich wie die bisherigen.

Zur Implantation der empfängnisverhütenden Kapsel verwenden die MIT-Wissenschaftler ein Gerät, das einer übergroßen Injektionsspritze ähnelt, nur daß damit statt einer Medikamentenlösung eine starre Kapsel unter die Haut "gespritzt" wird. Sobald die Hülse vom Gewebe umgeben ist, wird das Kapselmaterial geschmeidig und läßt sich von außen her kaum noch ausmachen.

"Die Kapsel", sagt Dr. Newberne, "verursacht keine Schmerzen, soweit Tierversuche eine derartige Aussage zulassen." Die einzige schmerzartige Reaktion bei den Tieren glaubte das Newberne-Team zum Zeitpunkt der Injektion beobachten zu können. "Beim Menschen", so Newberne, "ließe sich das aber leicht durch eine örtliche Betäubung vermeiden." fb