Sehenswert:

„Die Rum-Straße“ von Robert Enrico. Lino Ventura Superstar schmuggelt Schnaps von den Antillen nach Florida. Brigitte Bardot Superstar spielt in Stummfilmen mit und heißt Linda Larue. Lino läßt auf sich schießen, BB lächelt, man kommt sich näher, aber die Sache endet schließlich dort, wo sie angefangen hat: im Kino. Enrico hat ein augenzwinkernd altmodisches Stück Traumfabrik realisiert, das ganz auf die mythischen Qualitäten seiner beiden Stars zugeschnitten ist Eine feine, unaufdringliche Ironie verweist immer wieder auf den synthetischen Charakter des Spektakels, die kommerzielle Illusion gibt sich gutmütig als solche zu erkennen. Wenn José Giovanni, der Autor von Enricos bedeutenden Ventura-Filmen „Die großen Schnauzen“ und „Die Abenteurer“, auch hier das Drehbuch geschrieben hätte, wäre „Boulevard du Rhum“ (1971) vermutlich ein Meisterwerk geworden. So gibt es einige schwache Stellen. (ARD, 31. Januar)

Mittelmäßig:

„Die Verrohung des Franz Blum“ von Reinhard Hauff, der sich immer mehr zum deutschen Stanley Kramer oder André Cayatte entwickelt: ein braver, redlich bemühter Problemfilm-Regisseur, der vor lauter thesenhafter Aufklärung vergißt, daß Filme mehr sein können als illustrierte Leitartikel. „Die Verrohung des Franz Blum“, nach dem Bericht des feschen Burkhard Driest, sieht aus wie ein gewissenhafter, mit Beispielen reich bestückter Besinnungsaufsatz: steril, überdeutlich in seiner Argumentation, ohne Mut zu Phantasie und physischer Attraktion. Es wird dauernd geredet von der Mühsal des Knastdaseins, aber Hauff versteht es nicht, sie sinnlich zu vermitteln. Aus weit weniger prätentiösen Zuchthausfilmen wie Don Siegels „Terror in Block 11“ oder Joseph Loseys „The Criminal“ konnte man sehr viel mehr über die konkreten Probleme lernen.

„Das Pferd kam ohne Socken“ von Enzo G. Castellari. Der trojanische Krieg als römische Zuhälterfehde, versetzt mit einigen Anspielungen auf italienischen Neofaschismus und vatikanische Ränke. Statt in Homers hölzernes Pferd bittet Odysseus (Giancarlo Giannini) seine Gefährten in den Kofferraum eines Rolls-Royce, um die „Villa Troica“ von Hektar (Philippe Leroy) zu erobern. Castellari, der auch schon Shakespeare parodiert hat („Johnny Hamlet“ und „Django – die Totengräber warten schon“), beweist erneut handwerkliche Kompetenz und einen ausgeprägten Sinn für skurrile Details. Leider ist die Idee des kuriosen Filmchens erheblich lustiger als das Ergebnis, und Vittorio de Sica als Zeus schaut denn auch ziemlich gequält drein.

Empfehlenswerte Filme:

„Daisy Miller“ von Peter Bogdanovich. „Verboten“ von Samuel Fuller. „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“ von Alexander Kluge und Edgar Reitz. Hans C. Blumenberg