Wirtschaft

Das teure Nein

Die Absage an den Bau des Kanaltunnels belastet England und Frankreich mit über 200 MiUionen Mark (20 Millionen Pfund) muß die britische Regierung für die Aufgabe des Tunnelprojekts aus der Staatskasse locker machen.

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DIE ZEIT

Ist die Opposition regierungsfähig?

Seit einem Jahr wird das Unwahrscheinliche wahrscheinlicher, das Undenkbare sogar von Sozialliberalen gedacht: daß die Bonner Opposition Ende 1976 in der Bundesrepublik regieren könnte.

Armer Papst

Ungläubig und von christlichem Mitleid wenig ergriffen, hat die Welt eine Nachricht vernommen: Der Vatikan stehe vor einer Finanzkrise, wenn nicht gar vor der Pleite.

Vor-Urteil

Wäre die Sache nicht so ernst, über den Anlaß ließe sich lachen. Da sollte demnächst in Karlsruhe ein Kunstwerk mit umstrittenem Sujet vor der Öffentlichkeit enthüllt werden.

Heißer Frühling

Jede Revolution schafft sich ihre Legende. In Portugal heißt sie Grandola, und ihre Heldin ist die junge, schöne Landarbeiterin Catarina Eufemia, Mutter von drei Kindern, die vor zwanzig Jahren während eines Streiks in jenem Städtchen des Südens von der Polizei erschossen wurde.

Zeitspiegel

Dem Brüsseler Dolmetscherdienst der Europäischen Gemeinschaft fehlt es an Deutschkundigen. Akademisch gebildete Nachwuchskräfte mit Sprachkenntnissen, Volkswirte und Juristen beispielsweise, die sich zu Dolmetschern ausbilden lassen möchten, sind Mangelware.

Worte der Woche

„Ich bin davon überzeugt, daß man Helmut Schmidt in Peking nicht nur mit den ihm zustehenden Ehren empfangen, sondern daß man sich in Gesprächen mit ihm mit derselben Offenheit äußern wird, wie das mir gegenüber geschehen ist.

Gequetschtes aus der Ziehharmonika

So schnell wird Günter Gaus kein Interview mehr geben. Nachdem Bonns Ständiger Vertreter in Ostberlin unmittelbar vor dem Jahreswechsel im Deutschlandfunk konstatiert hatte, alle, gerade auch die Sympathisanten der Entspannungspolitik, hätten sich Illusionen gemacht, bekam er vom Kanzler bei der nächsten Gelegenheit harsche Worte zu hören.

Vor zwei Jahren wurde in Paris das Waffenstillstandsabkommen für Vietnam unterzeichnet Doch es wird weiter gekämpft und gestorben. Unser Redaktionsmitglied berichtet aus Südvietnam.: „Der Tod hat uns eingekreist“

Das war Tay Ninh im Januar 1972: eine staubige, übervölkerte Provinzhauptstadt mit 40 000 Einwohnern an der Straße, die nach Kambodscha führt; ein wogender Marktplatz, voll bunten, urwüchsigen Lebens, auf dem in vietnamesischer Lautstärke gehandelt und gefeilscht wurde; ein riesiges Etappenlager zur Unterstützung der großangelegten Offensivaktion südvietnamesischer Truppen, die jenseits der Grenze, auf kambodschanischem Boden, gegen feindliche Aufmarschräume vorgingen; kilometerlange Munitionskonvois, Fliegenschwärme von Helikoptern, Dutzende von US-Beratern, die jederzeit die Unterstützung ihrer B-52-Bomber anfordern konnten.

Bonns "schlechtester Mensch"

Aus China hatte es noch so geklungen, als gäbe es zwischen Franz Josef Strauß und seinen Gastgebern nur minimale Unterschiede bei Betrachtung der Weltlage.

Wolf gang Ebert: Auf alles gefaßt

Es erscheint manchmal nützlich, sich auch die Argumente der anderen Seite anzuhören, schon um ihnen bei nächster Gelegenheit wirksamer entgegentreten zu können.

Spiel der Daten und Stimmen

Nicht wenige Briten erwarten mit Spannung den Tag, an dem Premierminister Wilson die dritte, endgültige Kehrtwendung in seiner Europapolitik öffentlich vollzieht.

Qual nach der Wahl

Premierminister Hartling hatte mit seiner liberalen Partei in Dänemark einen klassischen Pyrrhussieg errungen. Er hatte den Anteil der Liberalen an Stimmen und Sitzen verdoppelt und zugleich seine Chance halbiert, effektiv zu regieren.

Mandat hat Ruh’

Von den acht FDP-Abgeordeten im neuen hessischen Landtag sind zwei Minister. Da diese beiden durch die Leitung ihrer Ämter und durch sonstige Regierungsgeschäfte stark beansprucht sind, müssen ihre sechs Kollegen die gesamten Parlamentsaufgaben bewältigen.

Strohfeuer statt Stimmung

Vor vierzehn Tagen hatte die Braut den vorgesehenen Hochzeitstermin platzen lassen. Jetzt dachte der verlassene Bräutigam, anstatt das Aufgebot zu bestellen, über seine Zukunft öffentlich nach: Auf dem außerordentlichen Landesparteitag der rheinland-pfälzischen SPD in Kaiserslautern zeigte sich ihr Landesvorsitzender Wilhelm Dröscher besorgt darüber, daß die davongelaufene Braut – die Mainzer FDP – an Schwindsucht sterben könnte.

Irrtum

Eindrucksvolle Beispiele für Schönheit durch gepflegte Haartracht, für zarte Pfirsichhaut – das ist der übliche Wandschmuck in den Salons für Herren und Damen.

Was ist los in Hamburg?

In der Ausgabe des „Länderspiegel“ vom 17. Januar (ZEIT Nr. 4) mokierten wir uns über den wochenends verstopften Elbtunnel. Wir schrieben: „Für die Hamburger war die Attraktion, zumal ihre Stadt am Wochenende sonst nicht viel zu bieten hat, Anlaß, mit der Großmutter im Wagen die Röhre zu durchfahren.

Bayerischer Trick

Bayerns Parlamentarier sind einfallsreich – zumindest, wenn es um ihre ureigensten Belange geht. Sie können, so scheint es, sich die Hände waschen ohne dabei naß zu werden.

Lübscher Streik

Und wenn der Bundespräsident in der Jugendherberge übernachtet, wir lassen nicht locker.“ Derart militant geben sich die Lübecker Gastwirte.

30 Jahre nach Auschwitz: War Marx ein Antisemit?

Der Zionismus und Israel werden häufig alskolonialistische Unternehmungen angeprangert. Immer wieder ist heute die Gleichung zu hören: Zionismus ist Imperialismus ist gleich Faschismus.

Zeugnisse einer Tragödie

Anläßlich des 75. Geburtstages von Eva G. Reichmann kamen die Mitarbeiter des Leo-Baeck-Institutes in London überein, von der Jubilarin die Genehmigung zur Veröffentlichung einer Auswahl ihrer alten und neuen Aufsätze über das deutsch-jüdische Verhältnis zu erbitten.

Opposition verärgert

Selten einmal seit dem Herbst 1969 hat die Bundestags-Opposition Fragen gestellt wie die, in denen sie sich Ende vergangenen Jahres nach Entscheidungen und Plänen zur Verbesserung des öffentlichen Dienstes erkundigte.

Die Sowjets äußern Unbehagen

Die Kreml-Führung hat bisher nicht offiziell gegen die geplante Errichtung des europäischen Zentrums für Berufsbildung in West-Berlin protestiert.

Kritik und Kontrolle

Das noch immer nur mutmaßliche 6:2-Votum der Verfassungsrichter gegen die Fristenregelung trifft die Koalitionspolitiker unvorbereitet.

DOKUMENT ZUR ZEIT: Wilhelm II. in Bonn?

Noch ehe das Deutsche Reich am Ende des Zweiten Weltkrieges zerbrach, noch ehe es am Ende des Ersten Weltkrieges eine Republik wurde, zu Kaisers Zeiten also, wurde ein Gesetz gegeben, das mit den Worten begann: ‚Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden Kaiser, König von Preußen etc.

Exilforschung in Gefahr: Verpatzt

Jetzt hat es auch die Exilforschung erwischt: Die internationale Zunft der interdisziplinär arbeitenden, ihr wissenschaftliches Grabungsfeld erst absteckenden Exilforscher ist vom politisch-ideologischen Spaltpilz befallen.

Die verlorenen Illusionen

Die vor kurzem publik gewordene Ausgrabung des Westschweizer Malers Charles Gleyre gehört zu den spektakulären Funden auf der Schutthalde der akademischen Kunst des 19.

Zeitmosaik

Wie recht die Kritiker haben, die im „Fall Staeck“ ein Krisenzeichen liberaler Kulturpolitik sehen, zeigt ein neuer Fall von Zensur, jetzt schon nicht mehr durch die Aufsichtsbehörde Auswärtiges Amt, sondern durch das Goethe-Institut selbst.

Bilder jenseits ihrer Zeit

Die rund 200 Bilder von 120 Malern im Grand-Palais aus einem halben Jahrhundert französischer Malerei (1774–1830) sind eine stattliche Schau: Um die großen Namen gruppiert sich eine Fülle von Werken bisher wenig bekannter Künstler, von denen viele eine Neuentdeckung bedeuten, und die Vielfalt der Aspekte zeigt, daß die traditionelle Nomenklatur – Rokoko, Klassizismus, Romantik – nur bedingt sinnvoll erscheint.

Wohin mit all den Lehrern?

Das steht fest: In wenigen Jahren wird es zu viele Lehrer geben. Wer angesichts des gegenwärtigen Lehrermangels noch glaubt, daß es sich bei den Prognosen über einen bevorstehenden Lehrerüberschuß um Glasperlenspiele weltfremder Statistiker handelt, wird schon bald vom Gegenteil überzeugt werden.

Filmtips

„Die Rum-Straße“ von Robert Enrico. Lino Ventura Superstar schmuggelt Schnaps von den Antillen nach Florida. Brigitte Bardot Superstar spielt in Stummfilmen mit und heißt Linda Larue.

Schallplatte

Wolfgang Amadeus Mozart: „Streichquartette C-Dur KV 465 und B-Dur KV 589“. Auf seiner zweiten Schallplatte (nach Haydn-Quartetten) zeigt das noch junge und doch schon so renommierte Tokyo String Quartet mit Mozart noch deutlicher seine Vorzüge: neben einer bewundernswerten technischen Perfektion und Homogenität einen phänomenalen seidigweichen Klang (die Corcoran Gallery in Washington lieh dem Ensemble auf Dauer vier Amati-Instrumente), eine ebenso vital-spontane Akzentuierung und Dynamik sowie eine unprätentiöse, nie sich ins Philosophieren verlierende, aber auch nichts zu leicht nehmende, immer engagierte Interpretation.

Kunstkalender

Für konservative Kommunisten sind sie noch immer Inbegriff westlicher Dekadenz, für konservative Kapitalisten noch immer plebejische Unkultur: In ihren Ressentiments gegen die Massenkunst „Comics“ sind sich Bildungsbürgertum und sozialistisches Spießbürgertum erstaunlich einig.

Kritik in Kürze

„Die Klassefrau“, Erzählung von Jochen Ziem. Ein literarischer Wettbewerb sollte ausgeschrieben werden: Erinnerungen an März bis Mai 1945.

Allenfalls ein Amüsement

Eine skurrile Variante innerdeutschen Hardels: Als Götz Friedrich Anfang Oktober 19.71 an der Ostberliner Komischen Oper Jules Massenets Oper „Don Quichotte“ inszenierte, war das seine (vorläufig) letzte Regiearbeit an einem DDR-Theater – gut ein halbes Jahr später blieb er nach einer Stockholmer Gastinszenierung im Westen.

Lebenslügen, Theaterlügen

Selten habe ich einen Theaterabend schneller aus dem Kopf verloren: Die Erinnerung an Tankred Dorsts Stück „Auf dem Chimborazo“, an seiner Berliner Uraufführung, überlebt kaum eine halbe Woche.

Die Kinder an der Macht

Der Triumph war fest programmiert. Seit Claus Peymann das Stuttgarter Staatsschauspiel leitet, seit dem letzten Herbst also, hat sich das Theater erstaunlich flink von längerem Siechtum erholt.

Jenseits von Auschwitz

Der Chronist der Juden-Deportation, der Historiker und Schriftsteller H. G. Adler, brachte das Problem auf den Begriff: „Seitdem ich das Buch ‚Der verwaltete Mensch‘ geschrieben habe, kann ich wieder leben und wie jeder andere auch.

Spielend lernen

Speziell auf die Oster- und Sommerferien hat die UTS-Sprachreisengesellschaft ihre Kurse für Schüler zwischen 11 und 21 Jahren abgestimmt.

Der perfekte Skizirkus

Es begann vor gut einem Vierteljahrhundert. Erstmals in der Geschichte des alpinen Wintersports wurde die Idee verwirklicht, nicht ein Dorf zu suchen, um dort Liftanlagen zu errichten, sondern ein ideales Skigelände, um darauf ein Dorf zu bauen.

Liegenbleiben auf Autobahnen

Das geschah: Auf der Autobahn Frankfurt–Köln versagte der Motor dem Pkw des Bürgers jeden weiteren Antrieb. Der Fahrer steuerte das Gefährt auf den Standstreifen der Autobahn, stellte Warndreiecke auf und wanderte zu Fuß ins nächste Dorf.

Neu auf den Straßen: Peugeot 204 Diesel Limousine: Spar-Diesel

Bei Peugeot existiert der kleinste Diesel-Personenwagen der Welt – schon seit sieben Jahren. Daß er bei uns kaum bekannt ist, kommt zum einen davon, daß dieser Motor bis vor kurzem nur im 204 Kombi zu haben war, zum anderen spielte die Frage der Wirtschaftlichkeit vor der Ölkrise auch in der kleineren Klasse keine allzu gravierende Rolle.

Anti-Sightseeing

Der Städteband über Amsterdam bringt gegenüber dem zunächst erschienenen London-Führer viele Verbesserungen. Man merkt immer deutlicher, worauf es dem Verlag ankommt: Hier sollen die Touristen nicht auf die ausgetretenen Sightseeing-Pfade verwiesen werden.

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