Spieglein, Spieglein an der Wand ... Wie alle Journalisten sind auch die Fernsehleute eitel und zerbrechen sich den Kopf, wie ihre Produkte wohl ankommen beim geschätzten Publikum, wer eine Sendung sieht, wann, wie lange, warum – und wie er sie fand. Das zu erfassen, regelmäßig und repräsentativ für alle Programme, kostet Millionen.

Seit April 1963 gibt es zwar eine kontinuierliche quantitative und qualitative Zuschauerforschung, doch seit Jahren wird das Verfahren heftig attackiert. In 825 repräsentativen Haushalten waren Uhren an den Fernseher angeschlossen, die auf einem Magnetband registrierten, wie lange welches Programm eingeschaltet war (Infratam); außerdem wurden zu jedem Tagesprogramm 600 verschiedene Leute befragt und ihre Urteile zu einem Mittelwert zusammengefaßt (Infratest).

Selbst die Vertreter der Fernsehanstalten nannten diese Art, Beteiligung an sowie Publikumsmeinung zu ihren Sendungen zu erforschen, ungenügend, methodisch fragwürdig und ohne tatsächlichen Informationswert. Sie schrieben einen Wettbewerb für neue Verfahren aus, und der Sieger wurde Teleskopie, eine Gründung des Instituts für Demoskopie in Allensbach und des Infas-Instituts in Bad Godesberg. Das neue System, das Zuschauerverhalten zu testen, wird geradezu überschwenglich gelobt: es sei zuverlässiger, genauer, vollständiger, repräsentativer, spezifischer auswertbar, schneller verfügbar und viel billiger (2,8 Millionen Mark im Jahr, wogegen das alte Verfahren über 5 Millionen gekostet hätte).

Das neue Meßgerät heißt Teleskomat und soll an 1200 Fernsehgeräte angeschlossen werden. Es sieht ungefähr wie ein Kassettenrecorder aus und hat zwei Tastaturen: eine zur Programmwahl und eine, auf der jedes Haushaltsmitglied sein eigenes Knöpfchen hat und mit ihm seine Anwesenheit vor dem Fernseher kundtut. Die Wundermaschine registriert also jedes Ein-, Aus- und Umschalten sowie das individuelle Sehverhalten: wer in der Familie wann und wie lange welcher Sendung zugesehen hat. Sechs Kanäle und die Sehbeteiligung von sieben Personen können so erfaßt werden.

Über das öffentliche Telephonnetz (wer von den ausgewählten Haushalten kein Telephon hat, bekommt einen Anschluß gratis) ist der Teleskomat mit einer zentralen Computerstation verbunden, die nachts automatisch die gespeicherten Zeitangaben abruft; sie werden dazu in akustische Signaleverwandelt von einem „Modem“ (eine Wortschöpfung der Bundespost aus „Modulator“ und „Demodulator“). Der Computer leitet diese Signale über eine Kontrollstation und speist sie dann, wieder in Ziffern zurückübersetzt, als anonyme statistische Informationen in eine Datenbank ein, von der aus sie jederzeit abrufbar sind – im Sonderfall und auf Wunsch wenige Stunden nach der Sendung.

Damit alle technischen und demoskopischen Feinheiten berücksichtigt werden können, wird die Teleskopiemethode stufenweise eingesetzt. Seit dem 1. Januar erfassen die Meßgeräte in 825 repräsentativen Haushalten das Sehverhalten zum Ersten, Zweiten und dem Vorabendprogramm. Vom 1. April an sollen Einschaltzeiten und individuelle Sehzeiten auch bei den Dritten Programmen und in 1200 Haushalten ermittelt, aber noch auf Magnetbandkassetten gespeichert “werden. Vom 1. Juli an funktioniert dann auch die nächtliche vollautomatische Datenübermittlung.

Die Vorteile des neuen Verfahrens sind evident: