Die britischen Konservativen haben noch keinen neuen Führer gewählt, aber sie haben den alten verabschiedet. Der 58jährige Edward Heath ist am Ende seiner Karriere. Im ersten Wahlgang der Fraktionsabstimmung erhielt er nur 119 Stimmen und gab auf; seine mehr rechts stehende Rivalin Margaret Thatcher bekam 130 Stimmen und wartet nun auf den zweiten Wahlgang in der nächsten Woche. Dann genügt die absolute Mehrheit.

Die Partei ist ihres alten Führers Heath müde. Seinen drei Triumphen – Parteivorsitz 1965, Premierminister 1970, britischer EG-Beitritt 1973 – standen drei Wahlniederlagen gegenüber: 1966 und zweimal 1974. Und sie wogen schwer.

Für Margaret Thatcher, die die kostenlose Milch in Englands Volksschulen abschaffte und sich auf dem Höhepunkt der Zuckerknappheit einer vollgehamsterten Tiefkühltruhe rühmte, wurden sicher viele Anti-Heath-Stimmen abgegeben. Im zweiten Wahlgang können neue Bewerber auftauchen. Ex-Nordirland-Minister Whitelaw, der aus Loyalität nicht gegen Heath antreten mochte, ist solcher Rücksicht nun entbunden. Im „Interesse der Parteieinheit“, so sagt er, stellt er sich nun zur Wahl.

Whitelaw gegen Thatcher – das verspricht ein spannendes Rennen zu werden, obwohl der Auftrieb für die Anhänger der 49jährigen Anwältin mit den kühnen Kopfbedeckungen und der gefürchteten Debattierzunge nun groß sein muß. Nur noch ein kleiner Stimmenzuwachs fehlt Margaret Thatcher zum Sieg. Auch wenn der 56jährige William Whitelaw sehr populär ist, wird es ihm schwerfallen, den Vorsprung einzuholen. Aber die Vorurteile gegenüber einer Parteichefin können doch zu seinem Vorteil ausschlagen. Die Konservativen wählen keine Frau, selbst wenn sie eine von der Statur der ehemaligen Erziehungsministerin haben – allein schon deshalb nicht, um einem Harold Wilson Paroli zu bieten.

Der Abschied von Heath überschattet auch die britische Europa-Entscheidung des Sommers. Ein neuer Führer der Konservativen mag fürchten, zu viel Gleichschritt mit dem frischbekehrten EG-Champion Wilson müsse dem eigenen Profil schaden. Heath hatte zuvörderst an die Sicherung seines Lebenswerkes gedacht. Politik aber ist unbarmherzig, namentlich, wenn man die Tories führen will. Die haben nun die Bahn frei gemacht für das Hauptrennen. K.-H. W.