Um der wachsenden Zahl der Arbeitslosen die zustehende Unterstützung auszahlen zu können, mußte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Josef Stingl, Bonn um Hilfe bitten. Da die flüssigen Mittel der Anstalt ausgeschöpft sind, langfristige Anlagen – darunter auch bei VW – nicht ohne wirtschaftliche Folgen rasch aufgelöst werden können, muß Bonn mit rund drei Milliarden Mark aushelfen. Angesichts der eigenen Geldknappheit löste der Finanzminister die Stabilitätsanleihe bei der Bundesbank auf. Das bringt 2,31 Milliarden. Darüber hinaus muß der ohnedies knapp bemessene Bundeshaushalt mit einer globalen Minderausgabe um 700 Millionen Mark auskommen.

Die Maßnahmen sind kurzfristig beschlossen worden. Noch am 23. Januar 1975 weigerte sich die Regierung, die Stabilitätsanleihe auf Antrag der Opposition aufzulösen. Von globalen Minderausgaben – also Haushaltskürzungen – wollte sie gleichfalls nichts wissen. Ein Woche später mußte sie auf Oppositionskurs einschwenken. Der CDU-Abgeordnete Horst Schroeder, Mitglied des Haushaltsausschusses, über diesen Vorgang an die Adresse der Regierung: „Entweder sie vergackeiern die Mitglieder des Haushaltsausschusses, oder sie haben vor einer Woche nicht gewußt, wie die konkrete Lage bei der Bundesanstalt für Arbeit ist. Beides ist gleichermaßen schlimm.“

Hält die Arbeitslosigkeit weiter auf einem hohen Niveau an, müßte Bonn weitere Mittel zuschießen. Denn die rund drei Milliarden Mark reichen nur aus, um die BfA drei Monate über Wasser zu halten.