Von Walter Hinck

Die Germanistik ist von ihrer Frühzeit an, seit den Tagen des Turnlehrers und Germanisten Professor Hans Ferdinand Maßmann, den – in seiner Art – Heinrich Heine auf die Nachwelt gebracht hat, mit dem Sport verbunden. So fand die Nominierung der Nationalmannschaft der deutschen Germanisten durch Bundestrainer Rudolf Walter Leonhardt das Interesse der gesamten Fachwelt. Zwar ist die genaue Aufstellung der Mannschaft noch nicht offiziell bekannt; aus gut unterrichteter Quelle konnten wir aber erfahren, wie der Bundestrainer die Mannschaft aufs Feld schicken will.

Da die fünf „Altmeister“ nicht alle die Emeritierung genießen und auf der Reservebank sitzen können (es werden Richard Alewyn, Benno von Wiese, Hugo Kuhn und Fritz Martini sein), soll sich Wilhelm Emrich zwar unter „Protest“, aber nach „Verheißung“ des Austausches in der zweiten Halbzeit bereit erklärt haben, das Tor zu hüten. Er dürfte auf diesem Posten der richtige Mann sein, da er – nach dem plötzlichen Clubwechsel fast aller Kollegen – für lange Zeit das einzige Bollwerk der Berliner Bundesliga war.

Für die Verteidigung empfahlen sich zwei Altgermanisten, und zwar Joachim Bumke und Hans Fromm, die sich seit Jahren im Kampf ihres Faches um den Klassenerhalt bewährt haben. Zu ihnen wird Walther Killy stoßen, der als Bremer Gründungsrektor Erfahrungen in der Defensivtaktik sammelte. Da allerdings gewisse. Zeichen von Resignation nicht zu übersehen sind, wird ihm der energische Albrecht Schoene an die Seite gestellt, der im rechten Augenblick die Erinnerung an die gemeinsame große Zeit der Göttinger Spiele beschwören kann.

In der Mittelreihe soll Eberhard Lämmert, nach den Regeln seiner „Bauformen“, das Spiel dirigieren und den Angriff aufbauen. Das Bonner Debakel wird ihn sicherlich zu doppelter Anstrengung und besonderer Leistung anspornen. Mehr eine Störfunktion ist Beda Allemann zugedacht, von dem man hofft, daß er durch ständige Anwendung von Ironie die Gegenspieler aus dem Konzept bringt.

Im Sturm scheint das Problem der Außenstürmer endgültig gelöst zu sein. Auf der einen Seite wird Hans Joachim Schrimpf an die große Zeit seines Lehrers von Wiese anknüpfen. Auf der anderen Seite wird Peter Wapnewski, dessen spritzige Flankenläufe auch „In Stahlgewittern“ nicht ausbleiben, für Druck sorgen. Neben ihm wird Helmut Kreutzer stehen – sicherlich nicht stehen, denn die jahrelange Beschäftigung mit Boheme und Subkultur hat keine Spuren bei ihm hinterlassen. Tore verspricht man sich vor allem von Karl Otto Conrady, zumal für den Fall, daß der gegnerische Torwart im braunen Pullover spielt. Bei den Toren überhaupt darf man, gerade bei dieser Mannschaft, mit guter Kopfarbeit rechnen.

Es geht das Gerücht, Rainer Gruenter sei ungehalten darüber gewesen, nicht im Aufgebot zu sein, und habe vom Bundestrainer das Versprechen erhalten, bei der nächsten Gelegenheit nachzurücken.