Hörenswert

Freddie King: "Burglar". Freddie King hat zweifellos einige seiner besten Techniken bei seinem berühmteren Namensvetter B. B. King gelernt. Trotzdem spielt er die notorischen "blue notes" weniger puristisch, und auch sein kehliger Gesang tendiert mehr zum Rhythm & Blues als zu den etwas peniblen Klischees seines Vorbilds. Er ist heute der bessere Musiker. Auf den Aufnahmen dieser bisher letzten LP wirken nur die Bläser manchmal eher störend, obwohl sie durchweg in einem geschmackvollen Soul-Sound arrangiert sind. Im übrigen ist "Burglar" gleichermaßen ein Ohrenschmaus für Blues- und Rock-Liebhaber. (RSO/Deutsche Grammophon 2394 140) Franz Schüler

Johann Sebastian Bach: "Werke für Laute I und II". Nicht alles stammt von Johann Sebastian Bach, was unter seinem Namen gehandelt wird, und nicht alles wird auf jenem Instrument gespielt, für das jeweils ein Stück entstand. Seine Lauten-Kompositionen hat Bach selber zum Teil aus vorhandenen Cello- oder Violinstücken übertragen, oft ist ihre Echtheit höchst zweifelhaft. Der spanische Gitarrenvirtuose Narciso Yepes spielt die sieben Bach zugeschriebenen Lauten-Musiken hier auf der Gitarre, mit vollendeter Technik und sehr schöner Trennung der Stimmen, aber manchmal auch mit farbigvordergründigem Ton, empfindungsreichen Verzögerungen und dynamischen Schattierungen – ein legitimes Transskriptionsverfahren also mit etwas viel subjektiven Interpretationszutaten. (Deutsche Grammophon 2530 461, 2530 462) Heinz-Josef Herbort

Mittelmäßig

Leo Sayer: "Just a boy". Ungewöhnlich sind die Themen, die sich dieser junge Mann ausgesucht hat, wahrhaftig nicht: Tagträume, Liebe, Hunger, Einsamkeit. Daß man ihm dennoch mit einiger Neugier zuhört, liegt offenbar an dem pubertären Charme, mit dem er seine Gedanken vorbringt, manchmal hervorstößt, mit einer spröden Stimme, atemlos, aufgeregt, unverfroren. Der Platte ist eine Textsammlung mit Zeichnungen des Sängers beigefügt. (Chrysalis 6307 539) Manfred Sack

Ärgerlich

Maurice Ravel: "Bolero/Rhapsodie Espagnole/La Valse." Das musikalische Gestaltungsprinzip des Crescendo, der langsamen Steigerung, zu einem formalen gemacht, dieses auf fünfzehn Minuten ausgedehnt und dabei das ganze Instrumentarium eines Symphonieorchesters vorgeführt – das ist der "Bolero" natürlich auch. Den Dreivierteltakt des Walzers in Hektik verfremdet – das ist "La Valse" natürlich auch. Aber bei Ansermet könnte Seiji Ozawa hören, wieviel Klangkultur möglich, bei Boulez, wie exakt die Balance von Tempo und Dynamik austarierbar ist. Ozawa errichtet hier Fassaden mit scheinbar raffinierten Ornamenten – hinter der Pappmaché ist es hohl. (Boston Symphony Orchestra, Leitung: Seiji Ozawa; Deutsche Grammophon 2530 475) Heinz-Josef Herbort