Für die Vermittlung eines Arbeitsplatzes „verfügbar“ zu sein, ist eine der Voraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosengeld. Da die Arbeitsämter jedoch nur wenige der verfügbaren Arbeitskräfte vermitteln können, ist es jetzt relativ risikolos, wenn sich nun auch jene arbeitslos melden, die eigentlich gar nicht gewillt sind, zu arbeiten.

Die dreißigjährige Dolmetscherin Karin J., die ihr Diplom für Spanisch vor fünf Jahren in Heidelberg erwarb, lebt in einer süddeutschen Stadt mit 40 000 Einwohnern. Ihr Vertrag als Sekretärin lief vor acht Monaten aus. Seitdem erhält sie Arbeitslosengeld. Eine Stelle als Sekretärin konnte sie bisher erfolgreich mit der Begründung ablehnen, sie sei Diplom-Dolmetscherin und würde nur eine Arbeit annehmen, die ihrer Ausbildung entspreche. Da sie als verheiratete Frau nicht gezwungen werden kann, in eine andere Stadt zu ziehen, muß das Arbeitsamt zahlen.

„Jetzt kommen“, sagt ein Abteilungsleiter im Mainzer Arbeitsamt, „viele Frauen, die es gar nicht nötig hätten, arbeiten zu gehen, die aber sagen: Ich bin arbeitsbereit, verschafft mir mal ’ne Stelle. Die wollen nur das Geld mitnehmen.“

Drastischer formulierte es ein Mitarbeiter des Bochumer Arbeitsamtes: „Aus allen Löchern und Asylen kommen jetzt die Penner, die wissen, daß wir sie nicht vermitteln können, und kassieren Arbeitslosenunterstützung.“