ARD, Montag, 3. Februar: „Weltuntergang in 50 Jahren?“ Von Gottfried Kludas

Über die Methoden, die den beiden Berichten an den Club of Rome, „Grenzen des Wachstums“ und „Menschheit am Wendepunkt“, zugrunde liegen, und die Thesen, die dort vertreten werden, läßt sich gewiß streiten. Voraussetzung für jeden Disput aber ist es, daß man mit dem Gegenstand, über den disputiert werden soll, vertraut ist. Just das ist bei Gottfried Kludas, der in der ARD „Thesen und Antithesen zum Club of Rome“ zu präsentieren versuchte, nicht der Fall. Statt sich in die Aufgabe, die sich die Arbeitsgruppen Meadows und Pestel/Mesarović gestellt hatten, zu vertiefen und die Lösungsmodelle zu studieren, bastelte sich Kludas einen Popanz zusammen, gab ihm den Namen Club of Rome und polemisierte dann gegen ihn.

Das klang zum Beispiel so: Der Club of Rome „hat eine neue Wissenschaft kreiert, die Wissenschaft der Katastrophen“. Für den Autor ist das alles ganz einfach. Er behauptet, der Club of Rome prophezeie den Weltuntergang in 50 Jahren, er habe der Welt das Nullwachstum verordnet und fordere ein „Zurück zur Natur“. Gegen solch dümmliche Unterstellungen läßt sich freilich trefflich argumentieren. Nullwachstum, meint Kludas, würde Arbeitlosigkeit bedeuten, aber die sei dem Club of Rome völlig gleichgültig; Nullwachstum schlösse auch die Einstellung jeglicher Wissenschaft ein, darum – das war mit herzzerreißenden Elendsbildern illustriert – müsse die Bekämpfung der Krankheiten und die Erschließung neuer Nahrungsquellen aufhören. Nullwachstum – so simpel steht es Kludas – würde selbstverständlich die Entwicklungsländer auf ihrem derzeitigen miserablen Lebensstandard einfrieren.

Der Verfasser dieser Sendung ließ keine Gelegenheit zur Diffamierung aus. Die in der Tat unsinnige Diskussionsbemerkung eines Redners, die reichen Länder sollten nicht so viel Geld für die Krebsforschung verschwenden, da Krebs doch nur eine Krankheit der Alten und Reichen sei, ist alles, was Kludas von den Referaten der Berliner Tagung des Clubs zu Gehör bringt. Die Absicht ist unverkennbar, der Club of Roms soll mit diesem Unsinn identifiziert werden: „So dessen diese Leute, die da von der Großindustrie finanziert werden“, will er dem Fernsehzuschauer suggerieren, und wen das nicht mit Abscheu erfüllt, den läßt er noch wissen, daß die Club-Mitglieder ohnehin nur alte Männer seien.

Diese alten, bösartigen Trottel bilden’sich ein, „Erfinder der Umwelt“ zu sein. Dabei habe man vordem schon von Umweltverschmutzung gewußt, weshalb die brave, in diesem Beitrag auffallend häufig gelobte Industrie längst dabei sei, smoggeplagte Städte in Sommerfrischen und stinkende Flüsse in klare Gewässer zu verwandeln.

Dem Club wird unterstellte er wolle „zurück in die Bauernidylle, die keine war“. Da ist es leicht, dem Zuschauer die Segnungen der chemischen Düngung und der Pestizide mit drastischen Bildern vor Augen zu führen und zu behaupten, daß, folgten wir den Ratschlägen des Club of Rome, unsere dann nur noch kümmerlichen Ernten von Insekten aufgefressen würden.

Der Club of Roms ist, wie man von Kludas erfuhr, der Schuldige an der Ölkrise. Denn die Scheiche haben „Grenzen des Wachstums“ quasi als Lehrbuch benutzt. Überhaupt gibt es gar keine Energiekrise; denn jeden Tag wird neues Öl gefunden, überall auf der Erde sprudelt es förmlich aus dem Boden, der Meeresboden ist ja „erst angekratzt“. Und haben doch die tumben Clubkumpanen den Wind ganz vergessen, der zwanzigmal so viel Energie zu liefern vermag, wie gegenwärtig von allen Kraftwerken der Erde gewonnen wird. Unmengen Wassers werden im Bild gezeigt, und Kludas tönt dazu vom überreichlichen Wasserstoff als dem Energieträger der Zukunft – den hat der Club of Rome natürlich auch ignoriert; dort weiß man ja nicht einmal, daß jeder Fernsehapparat Röntgenstrahlung abgibt. Unwissend und indolent, wie halt alte Männer sind, ist dem Club auch entgangen, daß die Bevölkerungsexplosion, vor der er warnt, gar nicht bedrohlich ist. Denn in China ist das alles bestens gelöst. Man muß den Menschen eben nur die Religion austreiben, dann regelt sich das Bevölkerungswachstum von selbst.