Eine Berufsgruppe hat trotz der Wirtschaftskrise keine Beschäftigungssorgen: In den 72 Außenstellen des Kölner „Amtes für Auswanderung“ arbeiten die Berater mit Hochdruck. Seitdem die Arbeitslosenzahlen steigen, sind die Beratungsstellen wieder überlaufen. Zwischen 1968 und 1973 war die Zahl der jährlichen Auswanderer von 34 000 auf 22 000 zurückgegangen.

„Die Zahl derjenigen, die an einer Auswanderung nach Südafrika interessiert sind, ist seit November 1974 sprunghaft gestiegen“, heißt es dazu im südafrikanischen Einwanderungsbüro in Köln. Auch die Büros der anderen klassischen Auswandererländer wie USA, Kanada und Australien registrierten schon in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres verstärkten Zulauf, als das Schreckgespenst von einer Million Arbeitslosen in der Bundesrepublik erst undeutlich Konturen gewann: Die Zahl der Anträge, die im australischen Einwanderungsbüro in Bremen eintrafen, erhöhte sich gegenüber dem ersten Halbjahr 1973 um 84 Prozent.

Wieder einmal bestätigt sich die Neigung der Bundesbürger, immer dann ihr Glück in Übersee zu suchen, wenn die Zukunft im eigenen Land unsicher erscheint. Allerdings: Der Anteil der Zwanzig- bis Dreißigjährigen, die früher stets das Hauptkontingent der Auswanderer stellten, nimmt ab. Hubert Hüer, Abteilungsleiter im „Amt für Auswand derung“ in Köln, bemerkt, daß dafür das Interesse der unter zwanzig Jahre alten Deutschen „enorm zugenommen“ hat. Grund: Fehlende Studienplätze und schlechte Ausbildungsmöglichkeiten bei einigen Lehrberufen in der Bundesrepublik.