Die Personalreferenten in Deutschlands Amtsstuben, die jahrelang nur spärliche Bewerberpost erhielten, kommen zur Zeit gegen den Ansturm der Interessenten kaum noch an. Selbst Abiturienten und Studenten reißen sich um offene Stellen im Staatsdienst, für die sich einst bestenfalls Volksschüler interessierten. Vater Staat kann wieder wählerisch sein:

  • Bei der Bundeswehr nahm die Zahl der Bewerbungen von Offiziersanwärtern in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres gegenüber 1973 um über 25 Prozent zu, bei den Mannschaften und Unteroffizieren gar um ein Drittel;
  • um nicht weniger als 127 Prozent stieg die Zahl der Bewerbungen bei der hessischen Polizei im ersten Halbjahr 1974 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres;
  • auch vor den Toren der Bonner Ministerien macht die Tendenzwende nicht halt. Das Wirtschaftsministerium, beispielsweise registrierte im vierten Quartal 1974 fast dreißig Prozent mehr Bewerber als 1973 – doch nur jeder zehnte konnte berücksichtigt werden.

Neben der heute so geschätzten Sicherheit des Arbeitsplatzes lockt auch die für den Amtsschimmel reichlich gefüllte Futterkrippe. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung errechnete, daß im vierten Quartal 1973 im öffentlichen Dienst ein Durchschnittseinkommen von 2436 Mark erzielt wurde, in der Industrie jedoch nur von 1800 Mark. Und eine Rentenberechnung des Kölner Versicherungsmathematikers

Georg Heubeck ergab, daß ein Angestellter in der Wirtschaft mit 2800 Mark Monatseinkommen fast 1700 Mark monatlich aufwenden müßte, um eine ähnlich gute Altersversorgung zu erzielen wie ein etwa gleich gut verdienender Regierungsdirektor.