Von Rainer Deglmann-Schwarz

Ja mir gehst, zum Skifahrn zu die Ami nach Amerika, so a Spinner; wo uns die Berg’ vor die Haustür’ gestellt sind.“ Ich nahm dem Gepäckträger am Flughafen München-Riem seinen Kommentar nicht übel, wie könnte er auch wissen, daß es im Wilden Westen außer Rothäuten und Cowboys auch Skipisten und Skihasen gibt, vielleicht steiler, schneller und rasanter als hier.

Im Vergleich zu den Alpenländern ist Skilauf in den USA ein relativ junger, noch in der Entwicklung stehender Sport; dennoch sind die bisher bestehenden etwa zwanzig großen Skistationen perfekt organisiert und erschlossen, in manchem, so in der vorbildlichen Pistenpflege, ihren europäischen Konkurrenten sogar überlegen. Die Neuenglandstaaten, vor allem Vermont mit Stowe, Sugarbush, Killington und Mt. Snow bilden den Mittelpunkt des Skibetriebs an der Ostküste; in Kalifornien dreht sich das Skikarussell an den Hängen der Sierra Nevada in Mammoth, Heavenly Valley, Alpine Meadows, Squaw Valley.

Das eigentliche Skizentrum des Landes sind jedoch die Rocky Mountains. Aspen, Vail, Taos, Steamboat, Arapahoe, Jackson Hole, Alta, Snowbird heißen die Spitzenreiter in den Schneerevieren der „Rockies“. Ihre Höhenlage von 2000 bis knapp 4000 Meter garantiert diesen Skiorten absolute Schneesicherheit, außerdem kommt das Gelände – im Gegensatz zur Ostküste – alpinen Verhältnissen recht nahe. Man trifft oberhalb der Baumgrenze ab 3000 Meter auf steile, offene Hänge mit dem berühmt-federleichten „Wild-West-Pulverschnee“. Dagegen haben die Skigebiete in den durchweg bewaldeten Mittelgebirgslagen von Vermont, New Hampshire und Maine häufig unter Regen und Eis zu leiden.

Wo einst im Westen nach Gold und Silber geschürft wurde, surren jetzt Skilifts. Averell Harriman baute als Ferienziel für die Passagiere seiner Union-Pacific-Eisenbahn 1936 im Staat Idaho Sun Valley, den ersten amerikanischen Skiort. Die Premierengäste Garry Cooper, Ernest Hemingway und Sonja Henie schaukelte er im ersten Sessellift der Welt auf seinen 2000 Meter hohen Dollar-Mountain, und Glenn Miller schrieb dazu die Sun-Valley-Serenade.

Die Szene ist heute legerer, von der Jugend bestimmt; nach Pistenschluß dreht sich Aspens Skizirkus bei Country- und Western-Music, Beat, und Bier weiter – die ständige Euphorie dieses Ortes wirkt vom ersten Tag auf den Besucher ansteckend.

Aspens Skibetrieb konzentriert sich auf vier Berge: Aspen Mountain, Highlands, Buttermilk, Big Burn-Elkcamp, von denen jeder ein perfekt erschlossenes Skigebiet darstellt mit Pistentrassen, die durchschnittlich auf zwei- bis dreihundert Meter ausgeschlagen sind. Die über 3000 Meter liegende Baumgrenze beeinträchtigt die Skimöglichkeit in keiner Weise, denn alles ist so ausgedehnt, so weiträumig und großzügig, daß man sich in Aspen über 400 Kilometer Pisten leisten kann, ein Rekord, der von keinem anderen Skiort auch nur annähernd erreicht wird.