Von Horst Rautenhaus

Schon bei seinem ersten Auftreten in einem Grand-Prix-Rennwagen beim Großen Preis von Amerika 1972 bewies der damals erst 23jährige Südafrikaner Jody Scheckter der gesamten Fachwelt, daß man ihn nicht zu Unrecht als einen der schnellsten Rennfahrer betrachtete. Scheckter, der vorher ähnlich wie Emerson Fittipaldi in den Formeln Ford, III und II Furore gemacht hatte, zeigte sich von der etablierten Konkurrenz wenig beeindruckt und lag rundenlang hinter Stewart und Hulme auf Platz drei. Die Zielflagge allerdings sah er nicht. Immerhin, Scheckters Auftritt auf der Grand-Prix-Bühne verlief zufriedenstellend, die Zeichen für die folgende Saison waren gesetzt.

BRM-Chef Louis Stanley hatte dann nach dem Rennen auch nichts Eiligeres zu tun, als dem Südafrikaner einen Platz in seiner Mannschaft für 1973 anzubieten. Doch Scheckter lehnte ab. Er hatte beim englischen McLaren-Stall zwar nur die Aussicht, hin und wieder am Volant eines Formel-1-Rennwagen zu sitzen, doch hier wußte er, mit einem wirklich guten Wagen bedient zu werden. Bei BRM hingegen war – wie seit Jahren – Fahrzeugmaterial und vor allem das Management schlecht.

Scheckters Grand-Prix-Zukunft schien gesichert. Nur: es sollte ein etwas holpriger Weg für den Südafrikaner werden, der lieber heute als morgen Weltmeister geworden wäre. Bei seinem nächsten GP-Start – vor heimischer Kulisse in Südafrika – fuhr er ein grandioses Rennen. Doch auch hier Pech für ihn: Vier Runden vor Schluß fiel er, auf einem sicheren vierten Rang liegend, aus. Erst wieder beim GP von Frankreich in Le Castellet gab Scheckter eine weitere Vorstellung seines Könnens. Ausgerüstet mit dem neuesten McLaren M23, stand er nicht nur wieder in der ersten Startreihe, sondern führte das Rennen nicht weniger als 41 Runden an. Es hätte der erste Grand-Prix-Sieg werden können, doch Emerson Fittipaldi warf ihn (und sich selbst) bei einem gewagten Überholmanöver von der Piste. Tat Fittipaldi nach dem Rennen groß kund, es sei Scheckters Fehler gewesen, so mußte er doch später, als Photos von dem Unfall vorlagen, etwas kleinlaut zugeben, daß er, der amtierende Weltmeister, die Schuld hatte.

Vollends bekannt wurde er dann beim Rennen um den Großen Preis von England in Silverstone, als er die größte Massenkarambolage in der Geschichte des Grand-Prix-Sports verursachte. Bei einer Geschwindigkeit von 230 km/h stellte er sich quer, rutschte ins Gras, wieder zurück auf die Fahrbahn, um dann schließlich an einer Mauer liegenzubleiben. „Ich war einfach zu schnell. Die Reifen hatten noch nicht die richtige Betriebstemperatur, um den Wagen auf der Straße zu halten. Es war klar mein Fehler.“ Als man nach dem Unfall Bilanz zog, stellte man fest, daß insgesamt 8 GP-Wagen so deformiert waren, daß sie beim zweiten Start des Rennens nicht mehr antreten konnten.

Ein weiterer Unfall beim GP in Kanada folgte. Bei McLaren zog man die Konsequenzen. Scheckter war zwar bei der „Kiwi“-Mannschaft recht beliebt, doch drei Schrottfahrzeuge, das war denn doch zuviel. Die Bilanz des ersten Scheckter-Jahres in der Formel 1 las sich dann auch entsprechend: Das Talent aus Südafrika war zwar schnell, doch ansonsten hatte der junge Mann nicht viel zu bieten. Siege sind das, was im Formel-1-Geschäft zählt, und um zu siegen, muß man zuvor ans Ziel kommen. Den Beweis, daß er auch das konnte, den war Scheckter bislang Freund und Feind schuldig geblieben.

Scheckter war entmutigt. „Das ganze Jahr war ein einziges Desaster.“ Die Zukunft sah für ihn, dem man noch vor Jahresfrist eine ganz große Karriere vorausgesagt hatte, plötzlich nicht mehr so rosig aus. In den Kreisen der Teammanager schien nun niemand mehr geneigt, dem Draufgänger aus dem Süden ein 200 000 Mark teures Rennfahrzeug anzuvertrauen.