Von Carmen Thomas

Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten. (Matth. 5, 15 und 16.)

Gebote über die Größe der Leuchtkörper macht die Bibel nicht; also auch kleine Lichter dürfen leuchten – selbst solche, die nur gelegentlich samstags abends flimmern. Voraussetzung ist allerdings, man hat sich vorher ins richtige Licht gesetzt und bereits etwas ausgestrahlt, sonst wird das Spot-light weggedreht, und der hoffnungsvoll Strahlende lernt schmerzlich: „Wo Licht ist, ist starker Schatten“, was manchen Armleuchter dann flugs in die Nähe eines anderen Götz-Zitates gebracht hat.

Schon bevor mir das ZDF die lichtvolle Aufgabe „Sportstudio“ antrug, war ich nicht lichtscheu: Lokalzeitungen hatten über mein Tun für das Regionalfernsehen berichtet, wenn ich in ihrer Kleinstadt aufgetaucht war.

Das war vor fünf Jahren. Insofern glaubte ich, ein alter Hase zu sein, gewohnt an Publizität, geübt im Umgang mit Journalisten – schließlich arbeitete ich mit ihnen –, als vor zwei Jahren die Scheinwerfer des ZDF auf mich fielen. Seitdem ist der alte Hase von der Lichtung verschwunden, und es gingen mir verschiedene Lichter auf.

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Licht Nummer eins; Die armen Kollegen, dachte ich am Anfang voll Mitgefühl, als das Feuerwerk losging, wie würdest du selbst die Geschichte anpacken, wenn du bei so einer wie dir ein Interview machen müßtest? Der Rollentausch vom Frager zum Befragten war merkwürdig, doch nach dem vierten Interview schnurrte ich – um hilfreich zu sein – gleich alle Routineinformationen herunter: 26, beim WDR Hörfunk in der Politik beschäftigt, Jahresvertrag bei der BBC, aktive Turnerin in der Jugend, kritische Sympathie, aber keine blinde Begeisterung für den Sport, mehr gesellschaftspolitische Themen ins Sportstudio, bei den Interviewpartnern mehr auf den Menschen eingehen, der sich hinter den Leistungen verbirgt. Und nicht vergessen, immer hübsch bescheiden erzählen, daß du keine sportlichen Fachkenntnisse hast und dich ja beileibe nicht mit den Männern messen willst, sondern eher den Zuschauern Zugang zum Sport verschaffen möchtest, die noch keinen haben: etwa den Frauen von Sportfans, denen die Sport-Sondersprache genauso spanisch vorkommen muß wie dir selbst.