DIE ZEIT

Nur noch bedingt regierungsfähig?

Die sozial-liberale Regierung in Bonn wird böse gezaust. Was immer sie an Reformen angepackt hat – Ärger ist ihr gewiß. Ungewiß erscheint dagegen, wann und wie ihr Programm zum wirtschaftlichen Aufschwung wirken wird; dieses Unternehmen steht vorläufig noch unter dem Prinzip Hoffnung.

Abschied für Heath

Die britischen Konservativen haben noch keinen neuen Führer gewählt, aber sie haben den alten verabschiedet. Der 58jährige Edward Heath ist am Ende seiner Karriere.

Die Ohnmacht der Macher

Ein Land mit einer begehrten Währung und einem gewaltigen Devisenschatz, mit dem größten Exportüberschuß und der geringsten Preissteigerungsrate, mit in aller Welt anerkannten industriellen Spitzenleistungen, in dem noch dazu sozialer Friede herrscht.

Worte der Woche

„Unsere Überschüsse sind die Defizite unserer Partner, und wenn unsere Partner nicht mehr importieren können, können wir nicht mehr exportieren.

Erster Zuarbeiter seines Kanzlers

Von einem Überrumpelungsmanöver war die Rede, als in der vergangenen Woche der Staatssekretär im Kanzleramt, Manfred Schüler, beauftragt wurde, die Arbeit des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), des Militärischen Abschirm-Dienstes (MAD) und des Bundesnachrichtendienstes (BND) zu koordinieren.

Zeitspiegel

Die hohen Bonner Beamten sollen von Dienstfahrzeuge auf Busse umsteigen. In der Bonner Stadtverwaltung denkt man an Verhandlungen mit dem Bund über die Einrichtung einer besonderen Buslinie, die das Kanzleramt, die meisten Ministerien und das Bundeshaus miteinander verbindet.

Naher Osten: Kissinger am Kreuzweg

Abgegriffen sind längst die vielen Formeln, mit denen Beteiligte und Beobachter die anhaltend prekäre Lage im Nahen Osten beschreiben: die tickende Zeitbombe, das Pulverfaß – und was den einfallsreichen Bildermachern sonst noch einfällt zur Definition eines kritischen Dauerzustandes.

Dollars für Thieus Regime?

In der amerikanischen Hauptstadt macht derzeit ein Dokumentarfilm über das Vietnam-Trauma der Amerikaner Furore, der noch vor ein paar Monaten kaum auf breiteres Interesse gestoßen wäre.

Wolfgang Ebert: Ein geschenkter Gaul

Eines Tages kam der Regierung die Idee, das Volk durch ein Geschenk zu erfreuen. Sie wollte sich dabei nicht lumpen und mal was springen lassen, auch wenn es sie 14 Milliarden kosten würde.

Comeback der Kommission

Im Brüsseler Berlaymont, dem Sitz der EG-Kommission, ist wieder ein Hauch von Optimismus zu spüren. Nach den Rückschlägen der letzten zwei Jahre, nach den Zerreißproben, die durch die Energiekrise, die britische Austrittsdrohung und die Währungsmalaise ausgelöst wurden, machen sich die Berufseuropäer neue Hoffnungen.

Freundlich, aber hart

Für Paris sind Gipfeltreffen inzwischen zur Routine geworden. Wenn die neun europäischen Regierungschefs sich an der Seine treffen, dann wird das schlicht als Arbeitsessen deklariert.

Bündnis mit den Linken?

Wenn die italienischen Christdemokraten mit sich selber meist mehr beschäftigt sind als mit dem Lande, das sie seit dreißig Jahren immer glückloser regieren, dann können sie dies mühelos rechtfertigen: Ihre Parteikrise ist schon fast identisch mit der Krise Italiens.

Linker Bruder-Krach

Da helfen keine Dementis: Frankreichs Sozialistenführer François Mitterrand scheut sich nicht mehr, das Bündnis mit den Kommunisten in Frage zu stellen.

Das Volk hat die Wahl

Ein Satz ist in Portugal fast zur Parole geworden: „Die Lage ist konfus.“ Eindeutige Auskunft über den weiteren Weg des Landes weiß keiner zu geben.

Profit aus Watergate

Abgegriffen wie die Redewendung vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein mag – die Vereinigten Staaten offerieren sie anno 1975 ausgerechnet den Leuten, über die man ein für allemal den Stab gebrochen zu haben schien: den Männern, die Amerika Watergate eingebrockt haben.

Kulissen-Kämpfe

Die Aufgabenteilung zwischen Willy Brandt und Helmut Schmidt bleibt ein Bonner Thema. Derzeit ist darüber eine Geschichte im Umlauf, die in drei Versionen feilgeboten wird.

Der Vertrag mit 46 Entwicklungsländern

In 183 Konferenzrunden haben in den vergangenen anderthalb Jahren Ministerrat und Kommission der Europäischen Gemeinschaft mit den Vertetern von 46 Entwicklungsländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP) verhandelt.

Brachialakt der Bürokraten?

Die Erwartungen waren hochgeschraubt. Der glatte Bürgermeisterwechsel von Peter Schulz zu Hans-Ulrich Klose, knapp ein halbes Jahr nach der für die Hamburger Sozialdemokraten so enttäuschenden Bürgerschaftswahl, hatte im Herbst vorigen Jahres den notwendigen Kurswechsel im Rathaus signalisiert.

Drang zur Größe

Franz Josef Strauß zieht ins Inn-Viertel: Passauer Nibelungenhalle wird sein neues Markenzeichen

Der gute Mensch aus Michigan

Der 38. Präsident der Vereinigten Staaten ist keine Persönlichkeit, die zu Höhenflügen anregt. Gerald Rudolf Ford wirkt so offen und überschaubar wie seine mittelwestliche Heimat, sein Lebensweg scheint so gradlinig wie die Mainstreet einer amerikanischen Kleinstadt.

Ein europäisches Mißverständnis

Im Bestreben, auf der Höhe der Zeit zu bleiben, sprechen unsere Massenmedien heute nicht mehr von der bolschewistischen, sondern von der „sozialistischen“ Sowjetunion, offenbar um so die geringer gewordene Distanz zwischen uns und der östlichen Weltmacht anzudeuten.

Irrtum

Franz Klammer, bester Abfahrtsläufer dieses Winters, treibt Werbung für vieles, nicht zuletzt für Ski. In der Nr. 5 auf Seite 11 der ZEIT vom 24.

Geld für die Amateure

Einmal im Jahr – das hat sich nun schon so eingebürgert – ist Sport „in“. Das macht der Herr Neckermann möglich, weil er dann Leute aus der Politik, aus der Wirtschaft, der Industrie, aus der kleinen und großen Kunst und auch einige Sportler zum „Ball des Sports“ einlädt.

Des Kaisers neue Masche

Sepp Maier muß sich nicht schämen: Die Eigentore, die ihm sein teurer Freund und Libero seit einigen Spielen ins Netz zu schlenzen beliebt, entbehren keineswegs der ästhetischen Qualität des Komischen.

Hoffnung auf Siege

Schon bei seinem ersten Auftreten in einem Grand-Prix-Rennwagen beim Großen Preis von Amerika 1972 bewies der damals erst 23jährige Südafrikaner Jody Scheckter der gesamten Fachwelt, daß man ihn nicht zu Unrecht als einen der schnellsten Rennfahrer betrachtete.

Mehr Exemplare als die Bibel

Es war ein Abend im Hause Marx, wo man sich zur Verabredung eines gemeinsamen Aktionsplans versammelt hatte und wo der hübsche blonde Weitling mit dem stutzerhaft geschnittenen Röckchen und dem koketten Bärtchen zum Erstaunen des russischen Gastes eher einem commis voyageur ähnelte als dem finsteren Arbeiterführer, den er erwartet hatte.

Krokodilstränen für die Künstler

Niemand wird einem Mann wie Willy Brandt subjektive Aufrichtigkeit absprechen wollen, wenn er im Bundestag mit leidenschaftlichen Anteilnahme dafür plädiert, die Künstler nicht zur einzigen Gruppe unserer Gesellschaft werden zu lassen, die das volle Lebensrisiko selber zu tragen hat.

Mit dem Witz der Verzweiflung

Der Kummer hat schon eine lange Geschichte – 1963 bereits beugte sich „Theater heute“ über den „Fall O’Casey“ und klagte: „Das deutsche Theater geht ausgerechnet an O’Casey vorüber.

Zeitmosaik

Wir nehmen hier im Kino eine parteiliche Haltung ein: für die am wenigsten organisierten Wahrnehmungsfähigkeiten und gegen die Bedeutungsdramaturgie, die ein weiteres Herrschaftsinstrument ist.

Die Germanisten-Liga

Die Germanistik ist von ihrer Frühzeit an, seit den Tagen des Turnlehrers und Germanisten Professor Hans Ferdinand Maßmann, den – in seiner Art – Heinrich Heine auf die Nachwelt gebracht hat, mit dem Sport verbunden.

Filmtips

„Tanz der Totenköpfe“ von John Hough. Ein sterbender Millionär beauftragt drei Experten, in einem berüchtigten Spukhaus Beweise für ein Leben nach dem Tode zu finden.

Sein und Schein

Die Feststellung „Schein hat mehr Buchstaben als Sein“ war für Karl Kraus eine negative Aussage, war Denunziation, zu der ihm zwei Buchstaben als Beleg genügten.

Die amerikanische Linke - wo ist sie geblieben?

Zehn Jahre nach den stürmischen Tumulten in Berkeley fragen sich viele, wo denn die rebellischen Studenten geblieben seien; die Zeitschrift „Business Week“ bot eine Teilantwort: Viele identifizierbare einstige „Rebellen“ arbeiten heute erfolgreich im Geschäftsleben, in der Industrie, zeichnen sich durch besondere Phantasie und Sicherheit aus, bereit zu kündigen, wenn ihre Verdienste nicht genügend anerkannt werden.

Kunstkalender

Die Methode ist nicht mehr ganz neu, sie gehört zum Repertoire einer fortschrittlichen Museumsdidaktik. Gerhard Gerkens, der für die Bremer Ausstellung Verantwortliche, verzichtet darauf, die Bilder in einen soziologischen, zeit- und literaturgeschichtlichen Kontext einzubringen, der die gesellschaftlichen und geistigen Bedingungen ihrer Entstehung klären und einsichtig machen soll.

Peter Hacks – handgepreßt

Unbequem, im handgreiflichen Sinn des Wortes, sind die Bücher, mit denen die "Berliner Handpresse" seit nun fast anderthalb Jahrzehnten diskret von sich reden macht: Die meist Spieltischgroßen Formate passen partout in keinen Bücherschrank, nicht einmal dorthin, wo man Ausstellungskataloge oder Kunstbände lagert; man muß sie entweder dekorativ herumliegen lassen oder zu irgendwelcher Graphik in tiefe Schubladen tun.

Kritik in Kürze

„Mein Name ist Ralph Hicks“, Roman von Paul Bailey. Reizvoll an dem Roman des 1937 geborenen Engländers sind Irritationen, die sich daraus ergeben, daß die Erzählmethode des fiktiven Ich-Autors Ralph Hicks und des tatsächlichen Autors Paul Bailey nicht übereinstimmen.

Blitzkrieg

In den Annalen der Popmusik steht dieser Werbefeldzug, der am 4. Februar in Paris endete, beispiellos da. Nicht einmal Elvis Presleys Manager, der für seine Zirkuskunststücke, Taschenspielertricks und harten Geschäftsmethoden bekannte „Colonel“ Tom Parker, hat sich jemals eine so spektakuläre Idee einfallen lassen: Mit einem Produktionsaufwand von 250 000 Dollar hatten die Manager der Firma Warner/Reprise Records Mitte Januar eine Promotionkampagne gestartet, mit der sie sechs ihrer neuen Gruppen erstmals einem breiteren europäischen Publikum vorstellten.

Dumme Polemik

Über die Methoden, die den beiden Berichten an den Club of Rome, „Grenzen des Wachstums“ und „Menschheit am Wendepunkt“, zugrunde liegen, und die Thesen, die dort vertreten werden, läßt sich gewiß streiten.

Die neue Schallplatte

Freddie King: "Burglar". Freddie King hat zweifellos einige seiner besten Techniken bei seinem berühmteren Namensvetter B. B.

Ein Skeptiker als Bahnbrecher

Es begann eine Zeit, wo es schwer wurde, Komponist zu sein, so daß die musikalische Ernte quantitativ gering ausfallen mußte.

Die Lust am Untergang

Die Hölle ist los, tosend bricht das Jüngste Gericht über die Erde herein. Die Elemente geraten in Aufruhr, der Boden bricht auf, Feuer und Wasser verschlingen Autos und Häuser, Straßen und Brücken knicken ein, Wolkenkratzer sacken zusammen, es hagelt Glas und Beton.

Illusionen können nur schaden

Früher“, sagt die Sechzehnjährige, „früher wollte ich immer Kindergärtnerin werden. Aber jetzt sind meine Noten derart mies, daß ich in diesen Beruf nicht mehr einsteigen kann.

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