Die Aufgabenteilung zwischen Willy Brandt und Helmut Schmidt bleibt ein Bonner Thema. Derzeit ist darüber eine Geschichte im Umlauf, die in drei Versionen feilgeboten wird. Nach der ersten soll sich der innerdeutsche Minister Egon Franke zumindest mit dem Gedanken getragen haben, Brandt um Amtsverzicht zugunsten Schmidts zu bitten. Damit sollte klar gemacht werden, daß die SPD, deren Popularität weit unter der Schmidts liegt, die Partei des Kanzlers ist.

Nach der zweiten Version hat es der Anführer der einflußreichen „Kanalarbeiter“ bei seinem Gedanken nicht bewenden lassen, von Brandt aber eine glatte Absage erhalten. Sie soll um so entschiedener ausgefallen sein, als der Parteichef vorher von dem Vorstoß Kunde bekommen und sich bei Schmidt vergewissert haben soll, daß der Kanzler mit dem Bittgang nicht im geringsten in Verbindung zu bringen sei.

Version drei schließlich besagt, daß Franke, als die Gerüchte über sein Ansinnen die Runde zu machen begannen, Brandt sofort versichert habe, an alledem sei kein wahres Wort.

Wie auch immer: Tatsächlich steht Schmidt der Sinn nicht nach einer Personalunion. Aber die untergründige Diskussion über die möglichen Nachteile der Trennung von Partei- und Kegierungsführung schwelt in der SPD offenkundig weiter. *

Profitiert Karl Carstens vom Besuch des „Schlitzohrs“ bei den „Schlitzaugen“? Nachdem Franz Josef Strauß in China mit den höchsten maoistischen Weihen versehen worden ist, zweifelt erst recht niemand daran, daß der CSU-Chef vor oder hinter den Kulissen den Kanzlerkandidaten der Union bestimmen wird. Als sein Favorit wird immer häufiger der Fraktionsvorsitzende der Opposition genannt.

Dafür spricht, daß Strauß und Carstens, vor allem in der Außenpolitik, viele gemeinsame Grundpositionen haben. Auch persönlich kommen sie gut miteinander aus, und entgegen früheren Gepflogenheiten hat der CSU-Vorsitzende dem Fraktionschef bisher keinerlei Steine in den Weg gelegt.

Freilich, in Straußens Kalkül, so heißt es, wäre Carstens stets nur ein Bewerber oder Regierungschef, von dem sich der spätere Übergang zu einem Kandidaten oder Kanzler Strauß am reibungslosesten vollziehen ließe. Also unverändert Politik auf eigene Rechnung? Auf jeden Fall will der Bayer weiter Zeit gewinnen: Über das Verfahren bei der Kandidatenkür hat er sich erst jüngst wieder hinhaltend geäußert.