Bremen: „Bilder entstehen“

Die Methode ist nicht mehr ganz neu, sie gehört zum Repertoire einer fortschrittlichen Museumsdidaktik. Gerhard Gerkens, der für die Bremer Ausstellung Verantwortliche, verzichtet darauf, die Bilder in einen soziologischen, zeit- und literaturgeschichtlichen Kontext einzubringen, der die gesellschaftlichen und geistigen Bedingungen ihrer Entstehung klären und einsichtig machen soll. Die Untersuchung bleibt im Museum, in der kunsthistorischen Dimension. „Von der Skizze zum fertigen Bild“ heißt das Thema, das an sechs Gemälden der Bremer Kunsthalle abgehandelt wird, Gemälde, von denen Vorzeichnungen, Variationen, auch Vorbilder verfügbar sind. Zum „Russischen Ballett I“, das Macke 1912 gemalt hat, werden Kostüm- und Bühnenbildentwürfe von Leon Bakst gezeigt, dazu die Bleistiftstudien von Nijinski, die Macke während der Aufführung gemacht hat, schließlich ein Foto der zerstörten Holzplastik „Pierrot und Tänzerin“ sowie die erhaltenen Vorzeichnungen für die Plastik; als mögliche Vorbilder werden (in Reproduktionen) Ballettdarstellungen von Menzel, Degas, Toulouse-Lautrec, Delätre und Seurat zitiert. Die anderen Beispiele: „Der Sechskampf auf der Insel Lipadusa“ von Julius Schnorr von Carolsfeld, „Kuhhirtin“ von Max Liebermann, „Die tote Mutter“ von Edvard Munch, „Die Kindheit des Zeus“ von Lovis Corinth, „Die Findling Mosis“ von Friedrich Overbeck. (Kunsthalle Bremen bis zum 2. März, Katalog 10 Mark)

Gottfried Sello

Nürnberg: „Chinesische Farbdrucke und Malereien aus der Sammlung Winzinger“

Die Illustrationen der beiden wichtigsten chinesischen Handbücher der Malerei – „Sammlung von Schriften und Bildern aus der Zehnbambushalle“ (1619–1633) und „Lehrbuch der Malerei aus dem Senfkorngarten“ (1677–1701) – gehören zu den bedeutenden Zeugnissen der Kunst des Farbenholzschnittes überhaupt. Die Ausstellung führt das Bildmaterial der immer wieder neu aufgelegten Werke an Hand von Blättern mit ausgezeichneter Druckqualität vor. Die Bücher enthielten Malanweisungen für den Laien, und ihre Bilder waren als Malvorlagen gedacht. Die Holzschnitte, die sich durch den Quellenvermerk überwiegend als graphische Nachbildungen von Gemälden der alten Meister zu erkennen geben, machten den Lernenden mit den wichtigen Motiven und der Art ihrer Darstellung bekannt – aus diesem Grund zeigt die Ausstellung auch eine Reihe von Malereien, die eine Vorstellung vermitteln vom Aussehen jener Werke, die nun ihrerseits als Vorlagen für die Holzschnitte gedient hatten. Die Bilder der „Zehnbambushalle“, des „vielleicht schönsten gedruckten Buches der Welt“ (Jan Tschichold), übertreffen in der kalligraphischen Eleganz und in der koloristischen Feinheit noch diejenigen des „Senfkorngartens“ – zeitgenössische Betrachter hielten sie für so schön „wie die Farben der Wolken oder den Glanz der Kornfelder“. (Eine Ausstellung der Albrecht Dürer Gesellschaft im Germanischen Nationalmuseum, bis zum 16. Febraur, Katalog 8 Mark)

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen: