Von Klaus-Peter Schmid

Paris, im Februar

Da helfen keine Dementis: Frankreichs Sozialistenführer François Mitterrand scheut sich nicht mehr, das Bündnis mit den Kommunisten in Frage zu stellen. Letztes Wochenende hat er beim Parteitag der Sozialisten zum erstenmal die Defensive verlassen und seine Verbündeten mit bitterer Ironie und handfesten Vorwürfen attackiert. Das Bündnis der linken Brüder, Frankreichs Volksfront, ist schwer angeschlagen.

Seit Monaten schon hat es keine offiziellen Kontakte mehr zwischen der KP und der sozialistischen Partei (PS) gegeben; seit dem letzten Oktober gehen sich Mitterrand und KP-Chef Georges Marchais sogar aus dem Weg. Zuerst waren es die Kommunisten, die ihre ganze Kraft auf die Zerstörung der verbliebenen Gemeinsamkeiten verwendeten, nun zahlen die Sozialisten mit gleicher Münze zurück.

Den Kommunisten ist Mitterrand einfach zu stark geworden, seine Partei jagt ihnen immer mehr Wähler ab. Fänden heute Parlamentswahlen statt, so könnte die PS mit 34 Prozent aller Stimmen rechnen, die KP nur noch mit 18 Prozent. Im März 1973, bei den letzten Wahlen zur Nationalversammlung, lagen beide Parteien mit etwa 22 Prozent noch gleichauf. Kein Wunder also, daß die Kommunisten jetzt um sich schlagen.

Mitterrand ist heute der unbestrittene Oppositionsführer. Er hat erreicht, was er von Anfang an wollte: er hat die einst übermächtige KP ins zweite Glied verwiesen. Nur so wird nach sozialistischem Kalkül der Weg aus der Opposition in die Regierungsverantwortung frei. Doch die Kommunisten sind nicht bereit, nur die Rolle der Nummer zwei in der roten Allianz zu spielen. Marchais, der im Frühjahr seinen Genossen den Präsidentschaftskandidaten Mitterrand aufschwatzte, ist nun in die Schußlinie seiner Partei geraten. Er kann seinen Partner nicht mehr vorbehaltlos unterstützen.

Zur gleichen Zeit wächst die Verärgerung darüber, daß die KP die erste Geige spielen will. Was wäre, so fragen sie sich, wenn die Vereinte Linke eines Tages wirklich an die Macht käme? Würden die Kommunisten dann nicht alles daransetzen, die Leute um Mitterrand an die Wand zu spielen, um eine revolutionäre Situation vorzubereiten und die Volksfront zur Einheitspartei umzufunktionieren? Das Beispiel Portugals gibt vor allem jenen Sozialisten zu denken, die das gemeinsame Programm nur mit dem Verstand, nicht aber mit dem Herzen gebilligt haben.