Durch Fehlentscheidungen und leichtfertige Zusagen gefährdet Hamburg seinen Ruf als attraktiven Industriestandort.

Durch den Entschluß der Reynolds International Inc., ihren Anteil von 90 Prozent an der Reynolds Hamburg GmbH (Stammkapital 160 Millionen Mark) abzugeben, ist die hamburgische Industrieansiedlungspolitik ins Zwielicht geraten.

Dabei muß die Hansestadt dreierlei befürchten: Erstens sann sie aus den Bürgschaften für Kredite eines Bankenkonsortiums an den Aluminiumproduzenten in Höhe Ton über 500 Millionen Mark in Anspruch genommen werden; zweitens findet sie vermutlich nicht über Nacht für der 90-Prozent-Anteil einen Käufer, den die Aussicht reizt, jeden Monat etwa 2,5 Millionen Mark Betriebsverlust zuerwirtschaften, und drittens verliert Hamburg zukünftig als Standort für Industrien an Anziehungskraft, wenn eine vereinte Lobby von Grundstückseigentümern und Umweltschützern jeden Investor verpflichten lassen kann, nicht nur „dafür zu sorgen, daß die Luft so rein wie möglich bleibt“, sondern auch dafür Sorge zu tragen, „daß die Luft so rein gehalten wird, daß keine Schäden auftreten können“.

Der Reigen der Fehlentscheidungen begann bereits, als Wirtschaftssenator Helmuth Kern den drittgrößten Aluminiumkonzern der Welt 1969 unter Zusicherung ungewöhnlich großzügiger Investitionshilfen an die Elbe holte.

Reynolds bekam für Hütte, Walzwerk und Nebenbetriebe ein Gelände inmitten von blumenzüchtenden Gartenbetrieben am Rand des größten deutschen Obstanbaugebietes zugewiesen. Allen Beteiligten war jedoch bekannt, daß bei der elektrolytischen Erschmelzung von Aluminium Fluorwasserstoff freigesetzt wird, ein gefährliches und in großen Konzentrationen unter Umständen tödliches Gift.

Eine behördliche Genehmigung für die Inbetriebnahme des Werks lag weder vor, als Bürgermeister Herbert Weichmann im September 1970 den ersten Spatenstich tat, noch im Juli 1973, als die Hütte betriebsbereit war.

In einem Beschluß des Hamburger Verwaltungsgerichts, das wegen der fluorhaltigen Abgase im Juni des vergangenen Jahres die Betriebsgenehmigung wieder außer Kraft setzte, mußte sich die Baubehörde „skandalöse Mängel im Genehmigungsverfahren“ bescheinigen lassen.

Zudem verstand es der Senat nicht, sich aus der Bindung an den findigen Juristen Fritz Paul Krüger zu lösen. Dieser vertritt die Blumenzüchter nicht nur im Fall Reynolds als Anwalt. Er agiert gleichzeitig als Kontrahent der Hansestadt, die nur über Krüger als den be-