Für die Hauptakteure im Watergate-Skandal zahlen sich ihre Verbrechen aus: Sie sind dabei, mit Hilfe von Büchern und Vorträgen reich zu werden.

Abgegriffen wie die Redewendung vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein mag – die Vereinigten Staaten offerieren sie anno 1975 ausgerechnet den Leuten, über die man ein für allemal den Stab gebrochen zu haben schien: den Männern, die Amerika Watergate eingebrockt haben.

Am meisten könnte Richard Nixon vom Reizwort Watergate profitieren. Ihm winken für seine Memoiren, an denen er bereits schreibt, mehrere Millionen Dollar.

Auch die anderen Watergate-Sünder kommen nicht zu kurz. John Dean, dem Kronzeugen gegen Richard Nixon, wurde vom New Yorker Verlag „Simon & Schuster“ ein Vorschuß von 300 000 Dollar für seine Watergate-Story gewährt. Verlagsexperten sagen voraus, daß Dean einschließlich der Paperback-Tantiemen mit einer Million Dollar Gesamthonorar rechnen könne.

Auch Deans Frau Maureen wird an Watergate verdienen. Sie will die Affäre aus ihrer Sicht schildern, ein Unterfangen, das „Simon & Schuster“ zusätzliche 150 000 Dollar Vorschuß wert ist. Damit nicht genug: Am vergangenen Sonntag begann John Dean mit einer Vortragsreise durch die amerikanischen Universitäten, die ihm pro Auftritt zwischen 3000 und 3500 Dollar eintragen wird.

Doch die Studenten beginnen sich langsam zu fragen, ob „wir einem Watergate-Kriminellen helfen sollen, reich zu werden.“ Erheblich massiver hat sich bereits der Widerstand gegen Pläne des ehemaligen Pressechefs Nixons, Ronald Ziegler, bemerkbar gemacht, an zwei Dutzend Hochschulen für 2500 bis 3000 Dollar über „den Gebrauch und Mißbrauch der Macht“ zu referieren.

Wieviel Watergate-Ergüsse wird der Markt verkraften? Das Buch des Gefolgsmannes von Ex-Justizminister Mitchell, Jeb Stuart Magruder, über seine Rolle in der Affäre schaffte die Bestsellerlisten nur kurze Zeit.

Einer freilich, der auch ohne Watergate vom Sockel stürzte, hält absolut nichts von Publizität und verdient trotzdem. Ex-Vizepräsident Spiro Agnew betätigt sich als Grundstücksmakler großen Stils. Jürgen Kramer